BERLIN. – "Einsame Jungfrau mit schönen langen Wimpern, blendend weißen Zähnen und guten Manieren sucht ‚Pascha‘, etwas jünger und verspielt. Kinderglück unerwünscht." So oder ähnlich könnte die Kontaktanzeige von Elsa aussehen. "Bewerbungen bitte an das private Raubtierhaus von Gert Becker in Berlin-Pankow." Dort wird händeringend ein zweiter Artgenosse aus der Familie der Panthera leos gesucht.

Wenn der König der Tiere nicht steinernstumm Palastruinen bewacht oder als sympathischer Werbeträger zum Genuß von Gerstensaft anregt, dann streicht er bekanntlich durch die afrikanische Savanne und über den heimischen Bildschirm, wie einst die Serienheldin Elsa – zahm wie ein Plüschtier. Doch die Berlinerin Elsa lebt, zwei Jahre alt, leibhaftig mittenmang der Pankower. Und damit sie dort bleiben darf, muß nun ein zweiter Löwe her.

Keine Frage: Gert Becker kann man als exzentrischen Tiernarren bezeichnen. Nach einem Hund, einer Boa, einem Leguan, einem Krokodil, zwei Luchsen und einigen asiatischen Affen konnte der Zoofachhändler auch bei Elsas Anblick vor zwei Jahren nicht widerstehen. Daß er in mancher Amtsstube deswegen als Verrückter gilt, weiß der 51jährige und nimmt’s gelassen. Hauptsache, Elsa fühlt sich "sauwohl". Deswegen hat er sie ja in seine Obhut genommen, als die kleine Wildkatze damals in der engen Kiste saß und ein Schausteller sie loswerden wollte. Aus der vorübergehenden Zuflucht wurde Elsas Zuhause – in einem zwei mal zwei Meter großen Käfig mit kleinem Gehege.

Am Anfang war Elsa drollig und tolpatschig, wie kleine Löwen eben sind. Mit Schäferhund Buck tollte sie über das tausend Quadratmeter große umzäunte Grundstück, und Nachbarskinder drängelten sich vor ihrem Käfig. Mittlerweile hat Beckers "Süße" eine stattliche Größe erreicht, vertilgt am Tag anderthalb Kilogramm Fleisch und muß auf "ihre Linie achten". Ihre Geschlechtsreife naht. Und das kann für den Löwenhalter heikel werden.

Denn nicht nur die Stärke der Gitterstäbe ist ausschlaggebend für die Erlaubnis zur privaten Raubtierhaltung. Zwar ist Gert Becker eifrig dabei, die von Bezirksseite geforderten Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Andernfalls wird Elsa doch noch in einen Tierpark nach Belgien verfrachtet. Nur dort hätte man noch Platz im Rudel. "Diese Variante wäre uns lieber", meint Amstierarzt Horst König. "Das ist zu weit weg, da sehe ich sie ja nie wieder", hält Becker dagegen. So hat er kurzerhand die 3000 Mark Spenden für den Transport nach Belgien statt dessen für den Ausbau des Freigeheges auf 26 Quadratmeter verplant. Das Fundament steht bereits, eine Brandenburger Stahlbaufirma packt kostenlos mit an.

Nach einer Ortsbesichtigung in der vergangenen Woche urteilt Horst König über die Löwin in der Idastraße: "Der Gesundheitszustand ist prächtig, sie hat sich gut entwickelt und ist ihrem Halter sehr zugetan."

Aber eins könne Löwenfreund Becker nicht, bei aller tierisch guten Freundschaft: seinem Haustier den Partner ersetzen. Immerhin sind Löwen gesellige Rudeltiere, und Einzelhaltung ist laut Schweizer Tierschutzgutachten nicht artgerecht und daher unzulässig. Während Becker seiner Elsa nun flugs einen Pascha besorgen möchte ("Und wenn ich einen fangen muß"), ist Tierarzt König ein männliches Tier ganz und gar nicht recht: "Nachher haben wir da ein ganzes Rudel..."