Stefan Reger ist auf den Zug gekommen. Statt wie bisher mit dem Flugzeug reist der Marketingchef einer Computerfirma mit der Bahn zu seinen Geschäftsterminen nach Paris.

Das Fliegen sei ihm zu stressig geworden, meint der 43jährige und macht eine einfache Rechnung auf: Um seinen Termin in der französischen Hauptstadt mit dem Flugzeug wahrnehmen zu können, müßte er gegen 5.30 Uhr aufstehen, um die 7.25-Uhr-Maschine zu erreichen. Nach der Landung auf dem Flughafen Charles de Gaulle – gegen 9 Uhr – brauchte er abermals rund sechzig Minuten für die Fahrt ins Zentrum. Knapp fünf Stunden, prall gefüllt mit Hast und Hektik, lägen hinter ihm, ehe der wichtigste Teil der Reise beginnen würde: komplizierte Verhandlungen.

Reger hat sich für eine bequemere Variante entschieden. Er steigt abends um 21.06 Uhr am Münchner Hauptbahnhof in das Schlafwagenabteil des D 208 und erreicht am nächsten Tag um 6.48 Uhr Paris Gare de l’Est (siehe Tabelle). Ein weiterer Vorteil: Der Bahnhof liegt zentral in der City und ist nicht – wie der Flughafen – gut eine Taxistunde von der Innenstadt entfernt. Bis zum Termin bleibt noch ausreichend Zeit für einen café au lait und ein croissant.

So wie Reger planen immer mehr Geschäftsreisende. 1991 brachte die Deutsche Bundesbahn erstmals über zwei Millionen Fahrgäste schlafend ans Ziel. Dagmar Haase, Geschäftsführerin der Deutschen Service-Gesellschaft der Bahn mbH (DSG), durfte sich mit einem klangvollen Namen schmücken: "Erfolgreichste Hotelchefin des Jahres".

Als Paradepferd im DB-Stall gilt der Nachtreisezug Luna. Die Mondgöttin aufSchienen pendelt jede Nacht zwischen Münster und München. Ihr Vorteil: Geschäftsreisende brauchen auf das eigene Fahrzeug nicht zu verzichten – Parkplatz ist der angehängte Autoreisezug. Weitere Haltestationen sind Hamm, Dortmund, Bochum, Essen, Duisburg, Düsseldorf, Neuss, Köln, Bonn, Koblenz, Ulm und Augsburg. Im ersten Halbjahr 1992 benutzten rund 60 000 Reisende die fahrende Garage.

Das Lima-Experiment ist nicht die einzige Innovation der Bundesbahn-Strategen im Kampf um den begehrten Kunden. Nach dem Erfolg des ICE-Angebots heißt das Konzept der Zukunft "Hotel auf Rädern". Dafür gründeten die Deutsche Bundesbahn (DB), die österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) im Sommer 1992 die "Dach Hotelzug AG" mit Sitz im schweizerischen Gümlingen. Geplant sind die Schlafzimmer auf Schienen in drei Kategorien – von der Jugendherberge ("Sleeper") bis zum First-Class-Hotel ("Luxus"). Die Nobel-Waggons sind ausgerüstet mit Dusche, Toilette, Telephon, Wecker, Schaffnerruf, Leselampe, Safe, Radio und auf Wunsch Farbfernseher.

Vom Sommer 1995 an sollen die "Hotels auf Rädern" jede Nacht die Strecken Dortmund/Köln – Wien, Wien – Basel/Zürich und Hamburg – Zürich bedienen. "Für die ersten 54 Waggons", so Hotelzug-Geschäftsführer Marius Roggo, "investieren wir 306 Millionen Mark."