Von Fereydun Khanide

Am 16. November lockt die Comdex, die spektakulärste Computermesse der Welt, die Technikfreaks für fünf Tage nach Las Vegas. Unter den dort präsentierten Produkten werden sich auch die neuen Wunderkinder der Computerbranche finden: die Notepads, die bereits seit einem Jahr für Aufsehen sorgen. Diese Computer besitzen weder eine Tastatur, noch haben sie die inzwischen so vertraut gewordene Maus.

Bei den elektronischen Schiefertafeln erfolgt die Dateneingabe vielmehr mit einem Stift (englisch pen) direkt auf dem DIN A5 oder DIN A4 großen Bildschirm. Ein durchsichtiges Raster unter der Bildschirmoberfläche – der Digitizer – regt über elektromagnetische Strahlung einen im Inneren des Stifts befindlichen Schwingkreis an. Durch Empfang der zurückgesendeten Strahlung ortet der Digitizer den Stift und wandelt dessen Bewegungen in elektrische Impulse um, die an das Betriebssystem des Gerätes geleitet und dort verarbeitet werden.

Mit derartiger Technik lassen sich schon seit längerer Zeit Handzeichnungen in Computer eingeben; die Software der Notepads erlaubt nun den griffelgesteuerten Umgang mit Textverarbeitungs- und anderen Anwendungsprogrammen, zum Beispiel Datenbanken. Der Benutzer vollführt mit dem Stift sogenannte Gestures: Ein fehlerhaftes Wort wird zum Beispiel einfach durchgestrichen, damit es vom Bildschirm verschwindet, und mit einer "Einfüge"-Geste wird für einen Neueintrag Platz geschaffen. Die Software ist im Prinzip auch in der Lage, handschriftliche Eingaben des Benutzers zu erkennen und in wohlgeformte Lettern umzuwandeln. Die Handschrifterkennung heutiger Systeme ist allerdings noch zu langsam und sehr fehlerhaft. Dies wird sich in nächster Zukunft leider auch nicht signifikant ändern. Von der elektronischen Tinte auf intelligentem Papier ist man trotz großspuriger Verheißungen der Hersteller also noch weit entfernt.

Die Notepads sind freilich gar nicht dazu gedacht, Textverarbeitungssysteme zu ersetzen. Abgesehen von der unzureichenden Qualität der Handschrifterkennung, ist bei längeren Texten die Arbeit mit der Tastatur ohnehin fixer und ergonomischer. Pen-Computer zeigen ihre Stärken in Anwendungsgebieten, bei denen es auf Mobilität ankommt und die Daten beispielsweise im Stehen oder Gehen erfaßt werden müssen. In den USA rüsten die ersten Großunternehmen ihren Außendienst oder Meinungsforschungsinstitute ihre Mitarbeiter mit Notepads als elektronischen Fragebögen aus; in der Bundesrepublik beginnen ähnliche Pilotprojekte.

Unterdessen lernen auch Beschäftigte in einigen amerikanischen Krankenhäusern die einfache Bedienbarkeit des Griffels zu schätzen. Im Pflegebereich verbringt eine Schwester bis zu dreißig Prozent ihrer Zeit mit Verwaltungstätigkeiten. Der Notepad stellt hier eine erhebliche Entlastung beim Ausfüllen von Formularen und der Pflegedokumentation dar. Patientendaten werden nur einmal erfaßt und dann automatisch in die unterschiedlichen Dokumente übernommen. Fieber- und sonstige Datenkurven werden graphisch angezeigt und können mit handschriftlichen Eingaben kommentiert werden, Notizen sind an jeder Stelle der elektronischen Formulare möglich. Da die Arbeitsweise weitgehend der üblichen mit Papier und Bleistift gleicht, treten kaum Gewöhnungsschwierigkeiten auf.

Robert Carr, Mitgründer der kalifornischen Pen-Software-Firma GO und deren Chefentwickler, ist mit den graphischen Darstellungen auf den Bildschirmen noch unzufrieden: "Sie haben eine Technik von 1978 zur Grundlage. Viele Anzeichen sprechen dafür, daß sie für die meisten Menschen im Hinblick auf die Erlernbarkeit und Benutzerfreundlichkeit nicht gut genug sind." Er entwickelt Software für Notepads, die sie in elektronische Bücher verwandelt, in denen der Mensch herumblättern und mit seinem Stift den Text verändern kann.