Ausgerechnet!

Wem fällt was auf? Eine Frage, der nachzugehen sich lohnte, wenn hier mehr Platz wäre. Zeitlesen aber sollen kurz sein, weil alles andere in dieser Zeitung so lang ist. In Ingolstadt fiel einer Gruppe von israelischen Schriftstellern dies auf: Die Geschwister Hurler, denen das "Hotel Adler" in Ingolstadt" gehört, heißen in ihrem Hotelprospekt ihre Gäste willkommen und schreiben: "In unserem Fürstenzimmer wird Ihnen das Frühstück serviert. Es beherbergte unter vielen anderen bekannten Persönlichkeiten, den Nuntius Pacelli (der spätere Papst Pius XII.), den SA-Führer Hauptmann Röhm und den Deutschen Kaiser Friedrich III." Damit wird geworben. Daß eine NS-Größe irgendwo zur Nacht geruht hat. "Der Herr Hurler ist jetzt nicht zu sprechen", sagt eine freundliche Stimme ins Telephon und fragt: "Möchten Sie uns auch einen Strick drehen? Die Stadt macht ja schon so einen Aufstand. Und in den Zeitungen stand’s. Und das alles, weil hier eine Gruppe von Israelis gewesen ist. Aber die haben sich ja gar nicht beschwert. Die haben das nur erzählt, daß ihnen das aufgefallen ist. Das steht ja schon zwei Jahre im Prospekt, und also kein Mensch, glauben Sie mir, kein Mensch hat sich da beschwert darüber. Der Herr Hurler macht das jetzt alles schriftlich. Und hier rufen auch schon Bürger aus Ingolstadt an und sagen ihm, er soll sich wehren. Weil, es ist wirklich nicht an dem. Wir haben hier im Personal einen Griechen und eine Rumänin. Also. Da sehen Sie selbst. Es ist nicht an dem." – Wenn es aber nicht an dem ist, an wem ist es dann?

Fünfzig Jahre Millifahrn

Was ist das Schönste nach fünfzig Berufsjahren? "Daß mia koana dreiredn ko", antwortet Georg Wiesenholzer der Münchner Abendzeitung. Der Mann ist Milchfahrer auf dem Samerberg, holt bei sechzehn Bauern die Milch für die Molkerei. "Um fünfe in da Fruah steh i auf, um achte bin i fertig mitm Millifahrn. Des san nacha 4000 Lita." Kein Sonntag, kein Urlaub, denn "de Kuah kennan ja net wartn. Oder woin Sie a gestöcklte Milli?"

Nein, und darum fährt er raus. "Früha mit zwoa Pferdin, dann mit am Porsche-Diesl, jetzt mit am Fendt-Bulldogg." Weder Glatteis noch Schnee halten ihn ab. "Da is no nia nix passiert. Vielleicht, weil da herobn da Herrgod näha is." Vielleicht hält ihn auch die Milch fit, denn davon trinkt er "vui". "In da Frua scho und nacha ambds Kadoffen mit Budda und a Milli dazua, des schmeckt." Wiesenholzer sorgt gut für sich. Schön zu wissen vom Wiesenholzer Schorsch. Dank der Abendzeitung und ihrer Rubrik "Menschen wie wir".