Das Etablissement wird im Erdgeschoß von Dr. Müllers Blue Movie Sex-Kino-Center "World of Erotic" dominiert. In den oberen Stockwerken geht es seriöser zu, dort arbeiten die Berlitz School und Wagon Lits. In der Nachbarschaft etabliert sich gerade ein Erotic-Cabaret namens "Pigalle". Aus dem künftigen Bürofenster des Verlegers fällt der Blick auf die Leuchtreklame der Live-Show "Kabine 256", der Peep-Show "America", des "Sex-Inn" und der "Moulin Rouge". Außerdem hat Eichborn die Filiale seiner Hausbank, der Dresdner im denkmalgeschützten Kaiser-Friedrich-Bau, vor Augen. Quer über die Straßenkreuzung liegt die Nachrichtenagentur AP, der Hauptbahnhof mit U-, S- und Straßenbahn ist kaum mehr als hundert Meter entfernt, und die Nachrichtenagentur dpa mit ihrem riesigen Bildarchiv ist nur ein paar Schritte weiter. Vito von Eichborn: "Ein guter Standort. Zentral gelegen. Mitten im Leben. Vorneraus zur Kaiserstraße ‚Hui!‘ und zur Moselstraße ‚Pfui!‘ – Genau wie mein Verlagsprogramm. Einerseits "Richard von Weizsäcker im Gespräch‘ und Hans Magnus Enzensbergers viel gerühmte ‚Andere Bibliothek‘, andererseits .Domenica und die Herbertstraße’ oder ‚Die Arschgeige – eine Sammlung schweinischer Volkslieder‘."

Presse-Mitteilung des Eichborn-Verlags über sein "neues Domizil"

Original und Fälschung

Fälschungen, wohin man blickt. Falsche Rembrandts, falsche Cartiers, jetzt auch noch eine falsche FAZ. Das schreckt. Ein Autor namens Armin Pfahl-Traughber hat das fatale Machwerk entdeckt und warnt uns in einem langen Artikel im Feuilleton der FAZ vor diesem neuen gefährlichen Produkt des Zeitgeistes. Junge Freiheit heiße das Blatt, das "gewiß als rechtsextrem zu bezeichnen" sei und mit dem sich "die extreme Rechte intellektuell ins Gespräch bringen wolle". Alles von ganz jungen Männern gemacht: Der "Chefredakteur" sei Mitte Zwanzig, "die übrigen Redaktionsmitglieder gehören den Jahrgängen 1962 bis 1970 an". "Kommentar-Journalismus", und gar nicht schlecht und sehr "zeitgemäß", mit einem großen schicken "Kulturteil". Ohn’ Unterlaß, so hat Armin Pfahl-Traughber festgestellt, beschwöre man da die "nationale Identität" und den "Nationalstaat". Auch werde "insbesondere Carl Schmitt in jeder Ausgabe zustimmend erwähnt und zitiert" und der berüchtigte "Carl-Schmitt-Apologet Günter Maschke" interviewt. Gefährlich, gefährlich, liebe FAZ, in der Tat – erinnern wir uns doch noch gerne an die ganzseitigen Schmitt-Huldigungen besagten Herrn Maschkes im Feuilleton der FAZ. Da heißt es wirklich aufgepaßt, denn solche Operationen dürften "die politische Strategie" dieser jungen "Rechtsextremen" sein: "Junge Freiheit gehört zum ‚Brückenspektrum‘ zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus." Doch keine Sorge. Wir jedenfalls wissen und werden auch nie anderes behaupten: Nur wo FAZ draufsteht, ist auch junge Freiheit drin. Und daß es sich bei diesem Blättchen aus Baden-Württemberg tatsächlich bloß um ein billiges Imitat handelt, das keinesfalls mit dem Frankfurter Original zu verwechseln ist, geht schon allein aus einer an sich ganz nebensächlichen Beobachtung Armin Pfahl-Traughbers hervor. Die Autoren jenes "Publikationsorgans" nämlich, so hat er festgestellt, schreiben "locker" und "unverkrampft".

Reise bis ans Ende der Mauer

Ehrlich, Wim, gern und willig sind wir Dir gefolgt, wohin immer Dich die Leidenschaft verschlug: nach Wuppertal ("Alice in den Städten"), nach Lüchow ("Im Lauf der Zeit"), dann nach Portugal ("Der Stand der Dinge"), sogar, als es anders und kleiner nicht mehr ging, ins texanische Paris und zu den aboriginalen Nasen dort unten im australischen Busch. Aber jetzt bist Du, Wim, früher einmal genannt das deutsche Filmwunder, gegen die Mauer gerumst. Neben der, punkbunt bekrakelt wie auf einer schnöden Ansichtskarte für die Dummen daheim, stehst Du, als hättest Du nie im Leben was Besseres getan, der Plastikgeld-Firma American Express Modell. Klar, das haben sich vor Dir schon die Schmalzstullen-Walküre Marianne Sägebrecht oder auch dieser zum Roué herausgeputzte Klaus von Dohnanyi geleistet, trotzdem, sach mal, Wim, mußte das wirklich sein? Bleibt auch unter uns: Langt es denn nicht mehr recht, obwohl Dir Aspirin und Bauknecht schon Deinen letzten Film finanziert haben? Du, und sag bloß, Wim, das da hinter Dir, ist das etwa der Reichstag? Und das über Euch beiden, das in Blau und Weiß, gell, das isser, der Himmel über Berlin? Ja, so. Danke, Wim, Du.