Von Warnfried Dettling

Die Wahl des Demokraten Clinton zum amerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten markiert nicht nur eine politische Zäsur. An ihr Ende gekommen ist auch eine geistige Bewegung, welche die politische Atmosphäre und Diskussion nicht nur in den USA geprägt hat.

Die deutsche Ausgabe von Barbara Ehrenreichs Buch "Angst vor dem Absturz" – das amerikanische Original erschien 1989 – gewinnt durch diese Ereignisse eine neue Aktualität. Eindrucksvoll analysiert es die Krisen und die Verwerfungen der amerikanischen Gesellschaft, das "Dilemma der Mittelklasse". Kenntnisreich und kritisch zeichnet die amerikanische Publizistin Ideengeschichte, Politik und Sozialphilosophie der Neokonservativen und der Neuen Rechten nach und macht so erst das ganze Ausmaß des politischen Wandels deutlich.

Barbara Ehrenreich bewegt vor allem die Frage: Weshalb hat die intellektuelle Mittelschicht, die vor Jahrzehnten aufbrach, um für soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und mehr Demokratie zu kämpfen, in wenigen Jahren diese Ziele aus dem Augen verloren? Wieso lehnen die Eliten der Mittelschicht so nachdrücklich die Verantwortung für die sozialen Mißstände in ihren Ländern ab?

Die Antwort findet sie in dem doppelten, dem ökonomischen und dem moralischen Absturz der Mittelklasse: Abstiegsbedroht und in ihrem Status gefährdet, werde sie ökonomisch zerrieben, aber auch moralisch in Frage gestellt. In ihrer Jagd nach Geld und Konsum, die alle Zeichen einer Abhängigkeit trage, entfremde sich die amerikanische Mittelklasse immer mehr ihrer Werte und Ideale. Der eher konservative Soziologe Daniel Bell hat vor Jahren diesen kulturellen und moralischen "Widerspruch des Kapitalismus" unerbittlich aufgezeigt. Nicht von außen, von seinen ideologischen Gegnern, sei er gefährdet; vielmehr unterminiere er mit seinem Erfolg seine eigenen

Hinweis

"Selten, wenn je, hat ein Politiker so kenntnisreich und leidenschaftlich über die Gefährdung unserer Umwelt geschrieben wie der junge Senator aus Tennessee", so stellte Dieter Buhl in der ZEIT Nr. 39/92 Al Gores "Earth in the Balance" vor. Das Werk des frischgekürten amerikanischen Vizepräsidenten liegt jetzt, dank der schnellen Reaktion des S. Fischer Verlags, in einer deutschen Ausgabe vor: Al Gore: Wege zum Gleichgewicht. Ein globaler Marshallplan; 420 S., 39,80 DM.