Im australischen Fernsehen wird wieder einmal der englische Oldtimer "The good life" wiederholt. Da kommt ein Arbeiter von British Telecom zu Leuten, die einen neuen Telephonapparat brauchen. Als ihn eine Nachbarin mit dem alten Gerät unter dem Arm aus dem Haus kommen sieht und fragt, was er denn damit mache, sagt er: "Ich bin ein so vielbeschäftigter Mann, daß ich dauernd ein Telephon mit mir herumtragen muß." Schallendes Publikumsgelächter vom Band. Anno 1970 war das noch ein Witz. Junge australische Zuschauer heute verstehen die Pointe gar nicht mehr.

Denn eine Krankheit, die in Deutschland vielleicht noch bevorsteht, hat in Australien bereits um sich gegriffen: das Mobiltelephon in Handgröße, das gewisse Leute immer und überall bei sich tragen. Dieses Cellular phone wird in Australien bereits als "widerliche Seuche" bezeichnet. Nicht als Volksseuche: Das Ding ist teuer in Anschaffung und Gebühren, und die Werbung der Telecom, die sich an hierzulande reichlich vorkommenden Notfällen delektiert (Mutter mit Kleinkindern in zusammengebrochenem Auto, meilenweit kein Haus oder Hof), zielt ins Leere. Jene Aussies, die so ein Notsignal dringend brauchen könnten, haben nicht das Geld dafür. Noch ist es ein Prestigeobjekt, angeschafft zum Vorzeigen wie gewisse europäische Luxuslimousinen, und wird ebenso wie seine Eigner gern als "Yuppie-Yapper" bezeichnet. Yappern heißt ganz einfach quasseln.

Meine erste Begegnung mit dem Ding hatte ich, als ich mich verfahren hatte und nach dem rechten Weg fragen wollte – schwierig in den tagsüber völlig ausgestorbenen Vorstädten. Da stieß ich endlich auf eine Frau, die den Rasen ihres Vorgartens mähte. Sie ließ den Motor weiterlaufen, brüllte in einen schnurlosen Telephonhörer "Moment mal, bin gleich wieder da!" und dröhnte, kaum daß sie mir Auskunft erteilt hatte, sofort weiter in die Sprechmuschel hinein.

Das zweite Modell lag auf einem Handtuch am Strand und klingelte. Wollte ich rangehen? Aber was dann? Dem weit draußen surfenden Eigentümer eine Botschaft in den Sand schreiben? Das Bikini-Mädchen freilich, das mit dem Rücken zum Meer knietief im Wasser telephonierte, wurde samt ihrem Yapper unversehens von einer Riesenwelle verschluckt.

Auf dem Flughafen checkte ein Pärchen ein, jeder mit einem Telephon in der Hand. Erwarteten sie Botschaften aus den Lüften? Das fragte ich mich auch angesichts des salbadernden lustwandelnden Pfarrherrn – und des Totengräbers auf dem hiesigen Gottesacker, der wegen höherer Konversation nur einhändig buddeln konnte.

Beim Damenfrisör saß unter vielen Frauen ein Herr, der sich Strähnchen einfärben ließ. Er fühlte sich sichtlich unbehaglich mit der durchlöcherten Bademütze auf dem Kopf, durch die einzelne Haarbüschel gezogen waren. Als dann noch sein Telephon klingelte, flüsterte er mit roten Ohren, er könne jetzt unmöglich reden.

Ein Mann spazierte mit zwei Yappern durch den Verkehr – an jedem Ohr einen. Ein anderer, der wegen des Autolärms offenbar nichts verstehen konnte, trat in eine Telephonzelle und parlierte dort weiter – zu Ferngebühren, denn Mobiltelephon kostet extra. Zu faul, für den Ortstarif die Hand um zehn Zentimeter zu heben.