Von Klemens Polatschek

Wie jeder Mensch weiß, der einmal im Abfall der Geistesgeschichte wühlen mußte, stellt uns der Wald vor genau drei Hauptprobleme.

Problem Nr. 1 ist, daß es über den Wald offensichtlich jede Menge zu sagen gibt. Man könnte auch ohne Übertreibung behaupten, daß schon alles Denkbare in den Wald hineingerufen wurde, daß jedoch noch nie etwas Vernünftiges wieder herausgeschallt ist.

Problem Nr. 2: Der Wald fasziniert die Menschen seit undenklichen Zeiten. Tatsächlich sind schon viele in den Wald hineingegangen, und nicht wenige sind nie wieder herausgekommen.

Jedoch ist leider kein Fall bekannt, in dem ein Dichter oder auch nur eines seiner Dichterworte dringeblieben wäre. Das führt uns direkt zu Problem Nr. 3.

Für dessen Definition sei einem Dichter das Wort gegeben, um diese Untersuchung nicht dem Vorwurf auszusetzen, sie sei eine blindwütige Dichterbeschimpfung, verfaßt von einem Dichterhasser.

In seinem bezaubernden Lied "Forest Fractures" skizziert der New Yorker Avantgardemusiker David Garland die Geschichte eines Forstes, in den nach langer Zeit wieder Menschen dringen. Von weitem ist das Getrampel zu hören; es knacken die Zweige. Was die Eroberer wollen, bleibt lange unklar. "Sind sie hier, den Wald zu Schlägern / alles weg, den Boden nackt / Straßen pflastern, Städte mauern / für Millionen Platz gehackt?" – so Garlands Frage, grob gefaßt. "Nein, viel schlimmer! Sind’s doch Dichter / die, was hier ist, deuten wollen / Bäume sind da nur Symbole / gut, um Ängste auszurollen."