MÜNSTER. – Von weitem sieht das Gelände aus wie ein gewöhnlicher Acker. Nähert man sich, fallen jedoch die frisch gepflanzten Hecken sowie die erst andeutungsweise erkennbaren Wege auf. Ein Naturstein am Rand schließlich macht klar, daß dies kein herkömmliches Feld ist. Auf dem Stein steht: "Daß mir der Hund das Liebste ist, sagst du, o Mensch, sei Sünde / Der Hund bleibt dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde." Dieser Acker ist ein Totenacker. – Ein Totenacker für Hunde, Katzen und eine Ratte.

Immer wieder sei er von Bekannten gefragt worden, "ob sie auf meinem Grundstück ihren treuen Freund begraben können", berichtet Franz-Josef Schulze Leusing. Der Landwirt und Versicherungskaufmann witterte eine Marktnische und beschloß, einen Acker hinter seinem Hof im Norden Münsters als Friedhof für Tiere herzurichten. Immer mehr Besitzern von Tieren sei "die Vorstellung unerträglich, ihren liebgewonnenen Begleiter in der Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgen zu lassen", hat er beobachtet.

Seit einem Jahr wird der "Kleintierfriedhof" benutzt; rund zwei Dutzend Tiergräber sind inzwischen angelegt, links ruhen die Hunde, rechts haben die Katzen ewigen Frieden gefunden. Dazwischen verfault eine Ratte. "Die gehörte einer Jurastudentin", erläutert Schulze Leusing.

Bis zu 2000 Gräber haben auf dem rund zwei Fußballfelder großen Areal Platz. Auf Grabsteine, so verfügte das Ordnungsamt, müsse jedoch verzichtet werden. Lediglich schlichter Blumenschmuck ziert die Gräber, vereinzelt liegen Steinplatten mit Inschriften auf den letzten Ruhestätten, zum Beispiel: "Für meinen treuen, unvergleichlichen Kater Mohrli, 1979-1991". Aus der ganzen Region kämen Anfragen, sagt der Friedhofsbetreiber stolz. Das Ehepaar, dem die hier ruhende Katze Banny gehörte, reise alle zwei Wochen aus Dortmund an, um Blumen auf Banny zu legen. Einige Tierhalter ließen ihre kleinen lebenden Freunde schon für den Todesfall vormerken. Und auch Gärtner meldeten sich, die die Pflege der Gräber übernehmen wollten.

Doch Schulze Leusing macht alles selbst. Er betätigt sich als Totengräber und schaufelt das amtlich vorgeschriebene achtzig Zentimeter tiefe Loch. Auf Wunsch holt er den Tierleichnam vom Tierarzt oder aus dem Haushalt ab. Auch hat er Jutesäcke parat, in die die Tiere eingetütet werden. Manchmal, berichtet er, wollten die Leute ihr Tier lieber in der Decke begraben, auf der es zu Lebzeiten zu liegen pflegte. Doch da achtet der Friedhofsbetreiber auf Umweltverträglichkeit: "Ich lass’ nur reine Wolldecken zu, keine Synthetikdecken, weil die ja nicht verrotten." Für gehobene Ansprüche hat Schulze Leusing auch "einen Zimmermann, der Särge herstellt". Das macht dann 250 Mark extra. Die reguläre Bestattung im Jutesack kostet 50 Mark, hinzu kommen 100 Mark im für das Grab, wobei die "Mindestliegezeit" vier Jahre beträgt. Auf "sakrale Elemente" bei der Beerdigung werde indes verzichtet, betont der Tierbestatter. Auch so pompöse Gräber, wie sie auf amerikanischen Tierfriedhöfen üblich sind, seien ihm ein Greuel.

Schulze Leusing ist bemüht, sich nicht unnötig Feinde zu machen. Schon das Genehmigungsverfahren kostete ihn viel Geld und Nerven. Über vier Jahre zog es sich hin, fünf städtische Ämter waren beteiligt, und die Beamten hätten ihm nur Schwierigkeiten gemacht, klagt der Landwirt. Den gravierendsten Einwand der Stadt, die Tierleichen gefährdeten das Grundwasser, konnte Schulze Leusing mit einem aufwendigen Gutachten entkräften. Rund 80 000 Mark investierte er bislang in seinen Kadaverhof.

An einen Tierfriedhof seien hinsichtlich der Hygiene die gleichen Anforderungen zu stellen wie an einen "Humanfriedhof", erläutert der Leiter des Münsteraner Grünflächen- und Naturschutzamts, Hartmut Tauchnitz. Der Boden müsse so beschaffen sein, daß er "die Zersetzung der Körper voranbringt und abschließt". Es müsse "Luft drankommen", zugleich müsse die Erde unter den Gräbern eine "Filtrationsschicht" enthalten, damit "Schadstoffe, zum Beispiel von Leichen mit ansteckenden Krankheiten", nicht ins Grundwasser gelangen können.