Das Interview führte Karl-Heinz Büschemann

ZEIT: Europa rechnet mit dem baldigen Fall Fidel Castros und des kubanischen Sozialismus. Ist diese Erwartung berechtigt?

Sánchez: Das ist Wunschdenken. Die mächtige kubanische Exil-Opposition in Miami verbreitet diesen Eindruck. Es gefällt der Regierung hier in Kuba, daß diese Ultrarechten in Europa und Nordamerika für falsche Informationen sorgen.

ZEIT: Die ohnehin miserable Versorgung der Bevölkerung wird jeden Tag schlechter. Wie lange kann das noch so weitergehen?

Sánchez: Ich glaube, die Regierung ist in der Lage, sich noch mehrere Jahre die soziale und politische Kontrolle zu sichern. Ich halte alles zwischen einem und fünf Jahren für möglich – es sei denn, es passiert ein Wunder.

ZEIT: Warum wird Castro immer noch unterstützt?

Sánchez: Fidel Castro ist für viele Menschen immer noch ein Symbol für die nationale Unabhängigkeit gegenüber den Vereinigten Staaten. Außerdem steht sein Name für soziale Reformen. Zudem wirkt die Propaganda: Das castristische Modell in Kuba ist eine eigenartige Mischung aus osteuropäischem Totalitarismus und lateinamerikanischem Caudillismus. Ich sehe aber, daß die politische und soziale Basis des Castrismus täglich schmaler wird.