Achtung: Es spricht die Einsatzleitung. Durch die Straßen der Frontstadt rasen die Panzer der Schwarzmeerkosaken. Es ist Krieg in Moldova. Krieg am Dnjestr. Die Schwarzmeer-Kosaken verteidigen ihr Land gegen die moldauischen Milizen – das Andreaskreuz im Wind, die Panzerfaust in der Hand. Europas letzte Kriegerkaste. Breite Gesichter, blatternarbig, verwüstet, den Mund voll Gold, riesige Pranken. Ihre Seele ist abgrundtief. Die Scheiben erzittern unter ihren Schlägen. Sie hassen die Kommunisten. Tod oder Tod. Das ist die Wahl. Standrechtliche Erschießung oder fünfhundert Schläge mit der Nagaika, der klassischen Lederpeitsche. Einmal Kosak, immer Kosak.

Es ist doch wohl klar, daß das Wort Grausamkeit im Krieg seine Bedeutung verliert. Aus Kampfeslust wird Haß. Die Kosaken küssen das Kreuz so oft wie ihre Mädchen. Sie fürchten weder Tod noch Teufel. Die eisengrauen Augen lächeln. Befehl: Die Stadt samt ihrer Zivilbevölkerung sturmreif schießen. Armeefahrzeuge rasen zur Front. Geschützdonner rasselt. Jeder Hausflur, jede Fensterhöhle wird zum Feind. Augen geradeaus: Am Dnjestr blutet der Himmel. Selten gesehen, so was. Nach zwei Stunden sind vier Wohnblocks hinüber. Zerschossene Kosaken auf einem Billardtisch. So ist das im Krieg. Man trägt Turnschuhe zum Tarnanzug. Die Uniform ist schwer und naß von Blut.

Aber nach der Schlacht, da nehmt ein Weib, wie aus einem russischen Märchen. Da triumphiert Schönheit und Jugend über den Krieg. Man tanzt und tanzt und tanzt, Satin, Seide, Chiffon, der Himmel strahlt, Blumen und süßes Eis am Stiel. Rußland, Rußland! rufen die Kosaken noch in den Träumen, wenn sie auf Pappe in der Ecke schlafen, inbrünstige Kämpfer. Ein greifbarer Gegenpol zum russischen Kommunismus. Ganze Kompagnie halt. Das Ausland nimmt all dies mit einem nostalgischen Kribbeln zur Kenntnis. Es kribbelt, Männer. Die Gegenpole schmelzen. Es tanzt. Es triumphiert. Satin, Seide, Himmel, Blut. Alles sturmreif schießen. Die Zeiten ändern sich. Dahinter steckt immer ein kluger Kopf. Jetzt nicht nachlassen. Das ist der Weg. Den geht in Deutschland nur einer für uns alle. Der Landser-Journalist Volker Handloik. Letzte Woche im FAZ-Magazin. Abtreten! Finis