Ihr Blick ging gelangweilt himmelwärts, obwohl ich bei meiner Frage direkt vor ihr stand: "Ich möchte Schweinerippchen, kann ich die auch vom Schweinebauch bekommen?" Der Augenaufschlag hinter dem Ladentisch der Schlachterei war unmißverständlich: Mein Gott, was für ein Idiot.

Mütter und Väter kennen diesen himmelwärts gerichteten Blick, wenn sie von ihren sechzehnjährigen Töchtern verlangen, noch vor Mitternacht nach Hause zu kommen: Mein Gott, mir passiert schon nichts.

Natürlich hat diese Art der Mimik mit dem lieben Gott überhaupt nichts zu tun, da doch, was die Körpersprache betrifft, der nach oben gerichtete Blick selbst auf der Kirchenkanzel nur noch selten benutzt wird.

Nun wäre es sicherlich falsch, den Augenaufschlag nur jungen Leuten zuzuschreiben, die Kritik äußern, ohne auch nur ein einziges Wort sagen zu wollen. Es gibt ihn zum Beispiel auch im Rathaus, wenn einer den vorgeschriebenen Weg zur Erstellung eines neuen Ausweises nicht einhält.

Augen nach oben verdreht, ein stummer Fingerzeig auf eine Tafel: Mein Gott, können Sie nicht lesen, zweiter Stock.

Es gibt diesen Augenaufschlag auch im vornehmen Restaurant, wenn einer Erbsensuppe haben will, wo der Herr Oberkellner doch eine Speisekarte vorgelegt hat, auf der wohl Rehrücken, aber keine Erbsensuppe vorkommt: Mein Gott, wie ist der hier reingekommen.

Es gibt den Blick sogar in der Halle eines schmuddeligen Bahnhofs. Plötzlich stand einer vor mir: "Hast du nicht ’nen Groschen für mich, ich bin erst gestern aus’m Knast gekommen." Ich gab ihm den Groschen. Er drehte die Augen himmelwärts: Mein Gott, was soll ich mit dem Kleinkram anfangen.