Die deutsche Tourismusindustric hat den Umweltschutz entdeckt. Seit einiger Zeit unterstützt sie auch Naturschutzprojekte in Feriengebieten und vergibt Preise.

Immer mehr Reisebüros lassen ihre Prospekte auf chlorarm gebleichtem oder recycelbarem Papier drucken und empfehlen den Kunden, die Kataloge weiter- beziehungsweise zurückzugeben. Einige Unternehmen haben sogar Strategien zum Schutz der bedrohten Naturreservate in den Reisegebieten entwickelt.

Mit Geräten und kleineren Geldbeträgen unterstützt der Münchener Studienreisen-Veranstalter Studiosus eine Forschungsstation auf der griechischen Insel Kefalos, die sich dem Artenschutz der Mittelmeermönchsrobben widmet. Das Deutsche Reisebüro (DER) stiftet pro Buchung zehn Pfennig für das Unesco-Biosphärenreservat Mittlere Elbe in Sachsen-Anhalt. Zu dem Naturschutzgebiet gehört die Naherholungsregion Dessau-Wörlitzer Kulturlandschaft.

In die neuen Bundesländer soll auch der von jedem abgeschlossenen Rat-und-Tat-Paket abgezweigte Umweltgroschen der Europäischen Reiseversicherung fließen. Empfänger des Betrages wird das Projekt Okodorf Brodowin in Brandenburg sein, dessen Mitarbeiter das Biotop am Parsteiner See betreuen und Konzepte für einen umweltgerechten Tourismus entwickeln.

Die Touristik Union International (TUI) vergibt mit einem Umweltpreis Geld an private Naturschutzinitiativen. In diesem Jahr hat der Umweltbeauftragte der TUI, Wolf Michael Iwand, die türkische Organisation Bodrum Gönüllüler ausgezeichnet. Den "Freiwilligen von Bodrum", die neben Müllsammelaktionen am Strand die Bevölkerung über ökologische Probleme aufklären, überreichte Iwand 40 Millionen Türkische Lira, umgerechnet rund 8000 Mark.

Preise für herausragende Leistungen im Umweltschutz vergibt auch die Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ). VDRJ-Preisträger 1993 ist der Tourismusminister der Balearen, Jaime Cladera. Gegen den Widerstand von Politikern, Baumagnaten und Grundbesitzern bringe er Gesetze durch, die dem Umweltschutz einen höheren Stellenwert einräumen als dem Tourismus. So ließ Cladera ökologisch wertvolle Gebiete, auf denen Gebäude errichtet werden sollten, unter Naturschutz stellen und schloß sie aus den bebaubaren Flächen aus.

Auf der Jahrestagung des Deutschen Reisebüroverbandes (DRV) wurde jetzt bereits das sechste Mal der DRV-Umweltpreis verliehen. Von 35 Bewerbern aus Urlaubsländern wie Kenia, Neuseeland, Österreich und Deutschland wählte die Jury den Stuttgarter Reiseveranstalter ATT-Reisen für den DRV-Sonderpreis aus. Mit 19 Schiffen und 120 Freiwilligen aus der Türkei und Deutschland fuhr das Unternehmen die südtürkische Küste bei Marmaris ab, um in den Buchten die Abfälle einzusammeln. ATT versteht die Aufräumaktion als Hilfe zur Selbsthilfe. Denn das Ziel ist, daß der in Marmaris bestehende Umweltschutzverein Marmaris Ege Park Vakfi mit finanzieller Unterstützung von ATT das Projekt weiterführt.