Die Mitglieder des Direktoriums werden von der Bundesregierung ernannt, die LZB-Präsidenten vom Bundesrat, auf Vorschlag der Landesregierungen. Obwohl in der Minderheit, hat das Direktorium auf den entscheidenden Donnerstagssitzungen allerdings eine starke Stellung. Seine Mitglieder kommen schon am Mittwoch zusammen und bereiten die Beschlüsse und die Stellungnahmen vor. Das machte es ihnen oft leicht, die untereinander zerstrittenen elf LZB-Präsidenten auszustechen.

Die deutsch-deutsche Vereinigung drohte jedoch die Kräfteverhältnisse im Zentralbankrat durcheinanderzubringen. Wollte man dem alten Prinzip "Ein Bundesland – eine Landeszentralbank" treu bleiben, wären mindestens fünf Neue in den Zentralbankrat eingezogen, und das Direktorium wäre vermutlich ebenfalls erweitert worden. Der Demokratie hätte das sicherlich keinen Abbruch getan. Aber das Direktorium befürchtete "schwerfällige" Entscheidungsprozesse, wenn es sich gegenüber einem allzu großen Gremium rechtfertigen müßte. Noch unter Karl Otto Pohl drückten die Direktoren im Zentralbankrat deshalb den Entwurf für eine neue Bundesbankstruktur durch. Hauptinhalt: Reduzierung der Landeszentralbanken von bisher elf in den alten Bundesländern auf acht für ganz Deutschland – mithin eine deutliche Stärkung des Direktoriums.

Finanzminister Theo Waigel war von dem Pöhl-Vorschlag schnell überzeugt, auch er wollte eine, "schlagkräftige" Bundesbankspitze, in der die Länder nicht allzuviel Einfluß haben. Gegen den heftigen Widerstand der SPD-Länder im Bundesrat boxte er den Entwurf durch; mit geringen Änderungen: Die Anzahl der Landeszentralbanken wird nicht auf acht, sondern auf neun verringert. Das neue Gesetz trat zum 1. November 1992 in Kraft. Bremen, Schleswig-Holstein und das Saarland haben seitdem keine Zentralbank mehr, für Sachsen und Thüringen wird in Leipzig eine neue errichtet.

Im Hause der Bundesbank wurde der Beschluß laut Handelsblatt als "weitgehender Erfolg des Direktoriums" begrüßt. Kein Wunder, denn in Zukunft haben die Direktoren ein noch leichteres Spiel als bisher. Im Zentralbankrat sitzen ihnen nicht mehr elf, sondern nur noch neun LZB-Präsidenten gegenüber.

Erfahrene Bundesbanker verschiedener Parteien, etwa der Sozialdemokrat Reimut Jochimsen oder der ehemalige LZB-Präsident Norbert Kloten, hatten immer davor gewarnt, daß sich das Gewicht im Zentralbankrat noch weiter zugunsten des Direktoriums verschiebt. Da die Bundesbank keiner Aufsicht und keiner parlamentarischen Kontrolle unterliege, so Kloten, nähmen die LZB-Präsidenten eine wichtige Kontrollfunktion wahr. Und Heinrich Schreiner, noch bis vor kurzem Präsident der Landeszentralbank in Mainz, sieht sogar die Gefahr, daß auf das (Sozi-freie, von der Bundesregierung bestellte) Direktorium "einfacher und gezielter politischer Druck" ausgeübt werden könne, wenn die Gruppe der Landeszentralbanken geschwächt würde. Schreiner: "Die Machtbalance wäre gestört, die demokratische Legitimation in Frage gestellt und die Unabhängigkeit in Gefahr."

Von allen Bundesländern leisteten Rheinland-Pfalz und das Saarland den heftigsten Widerstand gegen die neue Bundesbankstruktur. Einer ihrer tapfersten Kämpfer war Hans-Jürgen Koebnick, der sich auch nicht scheute, im Zentralbankrat offen gegen die Machtpolitik des Direktoriums auf die Barrikaden zu gehen. Hier dürften die wahren Ursachen für das negative Votum der Zentralbankratsmehrheit zu seiner bevorstehenden Ernennung zum Präsidenten der neuen Zweiländer-Zentralbank in Mainz liegen.

Auch wenn es ohne Folgen bleiben wird, war Koebnik über das Nein arg verärgert. Er kann sich allerdings damit trösten, daß das Direktorium derzeit ein besonders leichtes Spiel hat, um seine Anträge durchzubringen. Da vier der nun neun Landeszentralbanken derzeit ohne Präsident sind, besitzt das Direktorium im Zentralbankrat die absolute Mehrheit – ein Novum. Die vier verwaisten Banken (Hamburg, Hannover, Leipzig und Mainz) werden zwar von Vizepräsidenten vertreten. Aber Helmut Schlesinger persönlich hat dafür gesorgt, daß ihnen das Stimmrecht versagt bleibt. Ganz unabhängig von den Personalquerelen an der Bundesbankspitze heißt das allerdings auch: Zins- und Geldpolitik wird derzeit ausschließlich vom Bundesbankdirektorium gemacht.