Für den Kampf gegen Fremdenhaß reichten Hans-Ulrich Lindenberg leichte Waffen: Gerüstet mit Pinsel und Farbe, zog der Klöckner-Vorstand im vergangenen November auf das Kantinenklo des Bremer Stahlwerks. Dort übertünchte er Hakenkreuze und "Ausländer raus"-Schmierereien. "Gegen Rassismus", so Lindenberg, "muß man schon im Vorfeld etwas tun."

Mit seinem Engagement steht der Stahlmanager nicht allein. Allenthalben zögen Chefs und Betriebsräte gegen Ressentiments und Ausländerhetze zu Felde, berichtet Harald Schumacher, Wirtschaftsjournalist aus Düsseldorf, in seinem Buch. Während Politiker zaudern und lavieren, verhängen die Unternehmen entschlossen Disziplinarstrafen gegen Mitarbeiter, die Zwietracht säen. Und wer sich unbelehrbar zeigt, fliegt raus.

Der Einsatz gegen die Fremdenfeindlichkeit freilich sei getrieben vom Eigennutz: Längst ist die deutsche Wirtschaft auf Ausländer angewiesen, als Konsumenten ebenso wie als Arbeitskräfte. Und daran werde sich auch künftig nichts ändern. Schumacher zeigt, daß sich die Deutschen Rassismus buchstäblich nicht leisten können.

Der Autor konzentriert sich auf die wirtschaftliche Analyse dieses Problems. Er verstehe sein Buch als nüchternen Beitrag zum Streit über die "multikulturelle Gesellschaft". Bisher ergäbe sich "links wie rechts nicht der Standpunkt aus dem Argument, sondern das Argument aus dem Standpunkt".

Dem Zerrbild vom Ausländer, der den Deutschen Arbeitsplätze und Wohnraum wegnimmt und es sich in der sozialen Hängematte bequem macht, stellt Schumacher die Realität der ökonomischen Fakten gegenüber. So zeigt ein Blick auf die Zahlen, daß die deutsche Wirtschaft ohne ausländische Beschäftigte schlichtweg nicht lebensfähig wäre: Jeder fünfte Bergmann oder Autobauer stammt aus dem Ausland; in der Gastronomie liegt der Fremdarbeiter-Anteil sogar bei 25 Prozent. Einer Untersuchung des Ifo-Instituts zufolge müßte fast jeder zweite deutsche Betrieb die Produktion ohne ausländische Mitarbeiter drosseln oder sogar einstellen. Dabei nehmen die Fremden jedoch kaum einem Deutschen die Arbeit weg. Immer noch erledigen Ausländer vor allem Dreckarbeit, die sonst liegenbliebe. Deutschen Arbeitnehmern fällt dabei in der Regel der Part des Vorarbeiters zu.

Auch das Gerücht, die Ausländer lägen dem Steuerzahler auf der Tasche, entlarvt das Buch als Humbug: Zwar gaben die öffentlichen Haushalte 1991 rund 37,4 Milliarden Mark für die Fremden aus. Die zahlten jedoch in dieser Zeit 50,8 Milliarden Mark in die Staatskassen ein.

Die Bundesrepublik sei auf den "Nachwuchs aus der Fremde" angewiesen, resümiert Schumacher. Nun komme es darauf an, vernünftige Regeln für den Zuzug der Armutsflüchtlinge aus Osteuropa und der sogenannten Dritten Welt zu finden. Schon der blanke Egoismus gebiete: "Ausländer rein". olt