Das Schicksal der Kirche von England ist besiegelt! Weit gefehlt, lieber Christ, wenn du glaubst, die Kirchen wandelten unterm Schutz des Höchsten. Jedenfalls verließen sie den, seit sie darüber debattieren, ob denn Frauen Priesterinnen werden dürfen oder nicht. Und als die Kirche auf der britischen Insel jetzt für Frauen im Priesterrock stimmte, hat sie ihr schreckliches Schicksal selbst heraufbeschworen.

Die ehrwürdige Phase in der Geschichte der Inselkirche ging also zu Ende. Sie lag genau zwischen Heinrich VIII. mit seiner Lust an nicht nur einem Weibe und der Londoner Synode in diesem grauen November mit ihrer zügellosen Lust auf Priesterinnen. Wer den Anfang betrachtet, kann vom Ende nicht überrascht sein. Frauen sind schicksalshaft. Diesmal bringen sie Traditionsbruch, Schisma und das Ende der Ökumene.

Das nämlich erkennen die weisen Kritiker der Londoner Entscheidung. Aufrechte Anglikaner gehören dazu, die nun auf eigene Männerfaust eine Kirche errichten wollen. Sie finden sich auch unter aufmerksamen Kommentatoren konservativer Zeitungen und im ewigen Rom. Was also ist unveränderliche Tradition? Zuallererst männliche Exklusivität hinter den Altären! Einheit der Kirche? Abspalten muß sich, wer nur konsequent erkennt, wie Gott im Himmel ob des Feminismus sich die schütteren (weil männlichen) Haare rauft. Ökumene? Wo käme man hin, wenn jede Kirche die mühsame Entscheidung der anderen achtete! Die wahre Vision von der Einheit der Christen verfolgt nur der, der seine Schritte mit der päpstlichen Elle bemißt.

Da mag ein verblendeter Bischof auf der irregeleiteten Synode äußern, die Kirche hätte dringend andere Probleme anzugehen. Er fügt hinzu, es sei an der Zeit, alle Kräfte zu nutzen, da könnten Frauen hilfreich sein. Dieser schnöde Funktionalismus sollte niemanden täuschen. Jeder britische Club versteht es schließlich besser, sich durch Frauenausschluß zu konservieren, als die Kirche von England.

Barmherzigkeit mit den Insulanern! Darf denn von ihnen mehr erwartet werden, wo nicht einmal die katholische Mutter Kirche ihre Kinder ein für allemal belehren kann, wie das ist mit Mann und Frau? Da bescheidet der Papst allen Menschen guten Willens "die Würde der Frau", aber zum Priestertum ist sie eben nicht berufen. Trotz dieser Klarheit plädieren aufsässige Männer der Kirche für die Weihe der Frauen und lesen in die Schrift angebliche Argumente hinein. Frauen qualifizieren sich für theologische Lehrstühle und verwirren mit Kompetenz die ewige Ordnung. Obendrein finden viele die lutherische Bischöfin sympathisch und verkennen, daß ein geistliches Amt einfach nicht zum "Wesen der Frau" paßt.

Weiterdiskutieren wollen die Töchter des Heiligen Vaters. Als bedeute dessen Wort nur für heute Nein und dann mal sehn. Zerbröseln wollen sie den Felsen mit endlosen Debatten, genau der Taktik der Anglikaner folgend. Paulus hatte recht, das Weib soll in der Gemeinde schweigen. Das ist nicht würdelos für sie, aber praktisch für die richtige Ordnung der Geschlechter.

Sicher, wenn die Zeiten so weit gediehen sind, dann beschleichen auch den Treuesten Zweifel. Das darf man zugeben. Da war mal ein Anflug von einem Gedanken, daß der kleine Unterschied, der das Leben sonst so spannend macht, unterm Talar nicht so wichtig sein könne. Und, noch grotesker, der Herr sei in der Geschlechterfrage viel großzügiger, natürlich nur aufs Priestertum bezogen, als das zu ahnen ist. Aber Zweifel müssen nicht zum Schicksal werden. Es gibt, Gott sei Dank, den Beichtstuhl.

Martin Merz