Soll noch mal einer sagen, daß früher alles besser war. So im Sinne der kulturkritisch inspirierten Klage, damals habe der Schnee weißgestäubt ausgesehen und nicht eisig-harsch als Werk von Skikanonen. Einst eben, als Skifahrerinnen noch ganz bayerisch Rosi Mittermaier oder Burgl Färbinger hießen. Womit schon – sozusagen ethnologisch – ihr Glück auf Brettern gesichert schien.

Und wir doofen, brettl- und hüftsteifen Norddeutschen? Mühten uns ab, erinnerten uns spätestens im September, daß zum Wintersport die Herbstgymnastik gehört wie das Wimbledonfinale zum beginnenden Juli. Ächz. Erkannten also sehr, sehr früh als wahrhaftig die Weisheit des Ausspruchs Winston Churchills: "No Sports", was durchaus als "Sport ist Mord" ins Deutsche übersetzt werden darf.

Die schlimmen, schnauflastigen Zeiten sind Gott sei Dank vorbei. Eine japanische Firma hat ein Computerprogramm entwickelt, das, an einen Videoschirm angeschlossen, jedem halbwegs unbegabten Idioten, jeder Idiotin natürlich auch, ermöglicht, am Wintersport als Pistenhase teilzunehmen.

Die profanen Zutaten: ein kleiner Computer, ein echter Skihelm nebst Skistiefeln, wirkliche Stöcke und eine Plattform, auf der Trockenfahrer oder die Trockenfahrerin stehen. Die Hände des Steilhangartisten können die Stöcke umfassen, wobei der selbstbewußte Tritt auf die Plattform, welche mit dem Computer verbunden ist, signalisiert: "Schuß".

Und dann kann’s losgehen: All die berüchtigten Strecken möchten endlich erfolgreich abgefahren sein, auch die Eigernordwand könnte einmal, quasi im Fluge, von oben nach unten bewältigt werden. Selbst der Streß am vermeintlichen Hang wird von der Elektronik verarbeitet; schweißperlenauthentisch quasi, aber muskelkaterlos.

Das sei wie Golfen im Wohnzimmer, sagen Sie, wie Tischtennis im Kohlenkeller? Unsinn, die neueste Errungenschaft des Virtual Reality Systems, die Erfindung zum Eintritt in die virtuelle Welt räumt damit gründlich auf. Das mühselige Putten zwischen Fernseher und Couchgarnitur ist ja nur die Armeleutevariante eines Sports, dessen reale Grüns teuer zu stehen kommen.

Aber am Computer – in deutschen Haushalten inzwischen fast so häufig anzutreffen wie ein Eisschrank – sind wir alle gleich, unterschiedlich nur in der Bedienung der Knöpfe, die aus der Diskette erst die Welt ohne Welt zaubert. Doch darüber hinaus erspart uns diese kleine Perle aus der Welt asiatischer Gehirndesignerstuben banale Dinge wie Knochenbrüche und die Anschaffung teurer Winterklamotten.