Von Werner A. Perger

Bonn

Die Kurskorrektur, die Björn Engholm der SPD auf dem Bonner Parteitag zumutete, war ein riskantes Unternehmen. Das lag am Inhalt, aber nicht zuletzt auch an dem Überrumpelungsstil, mit dem der Vorsitzende im Vorfeld dieser Beratungen zu demonstrieren versucht hatte, was manche an ihm vermißten: Führungskraft und Regierungsbereitschaft.

So einfach ist das jedoch nicht mit Autorität und Kanzlereignung. Die "Petersberger Wende", die einige sozialdemokratische Glaubensgüter zum Aberglauben degradierte, drohte am trotzigen Widerstand der Partei zu scheitern. Das machte sofortige Nachbesserungen durch Engholms Bonner Strategen notwendig. Alsbald verbreitete sich – vom Betroffenen teils geduldet, teils geschürt – in der Öffentlichkeit der Eindruck, Engholm mache seine politische Zukunft als Kanzlerkandidat von der Abstimmung über das Petersberger Kursbuch abhängig. Denn mit dieser Entscheidung, so sollte Engholm offenkundig verstanden werden, verbinde er ein Votum über die "Regierungsfähigkeit der SPD". Das empfanden viele in der Partei als nicht sehr demokratisch, der Widerstand galt immer mehr auch dem Stil.

Björn Engholm mußte seinen großen Auftritt auf dem Parteitag zunächst einmal in der Defensive beginnen, wollte er die Stimmung positiv wenden. Spalten will er die Sozialdemokraten ja nicht. Dieser Preis für die "Regierungsfähigkeit" wäre ihm zu hoch, mögen andere im leitenden Management die "68er" in der SPD für das größte Problem und eine Art Selbstreinigung der Partei durch Austritt dieser Unbelehrbaren für angebracht halten.

Engholm versuchte sich statt dessen als Integrator. Er bediente sich einer alten Methode zielbewußter Machtpolitiker und streute sich Asche aufs Haupt, nicht viel, aber genug. "Wer könnte von sich selbst behaupten, ohne Fehler zu handeln", sagte er in seiner Eröffnungsrede, natürlich unwidersprochen. "Vielleicht" – vielleicht! – "hätte ich schon vor einem Jahr die Fragen stellen sollen, die uns heute beschäftigen, ich hätte wohl auch ... mehr von euch einbeziehen sollen." Wer wollte da noch einen Stein werfen? Im Gegenteil, es gab Applaus.

Der Vorsitzende ging mit seinen Goodwillgesten aber noch erheblich weiter. Vom vorbereiteten Redemanuskript weit abschweifend, erklärte er kurzerhand, es gehe in den entscheidenden Abstimmungen "nicht um den Vorsitzenden". Daß dieser Eindruck entstanden sei, nannte er ein "Verhängnis".