Viele Italiener fürchten nun, daß diese Bank in ausländische Hände gerät. Mit der Auflage, daß beim Zuschlag nicht nur die Höhe des Preises, sondern auch Zuverlässigkeit und Eignung des neuen Aktionärs berücksichtigt werden müssen, schiebt der Staat dem vielleicht einen Riegel vor. Die Deutsche Bank braucht Rom jedenfalls nicht zu fürchten. "Viel zu teuer", winkte der für das Italiengeschäft zuständige DB-Vorstand Ulrich Weiss ab. Sein Unternehmen verfügt bereits mit der Banca d’America e d’Italia über eine Großbank mit flächendeckendem Filialnetz in Italien.

Credito Italiano sowie die Kreditinstitute Banco di Roma und Banca Commerciale Italiana waren für die IRI bisher ein Dreigestirn, das den drei deutschen Großbanken Deutsche, Dresdner und Commerzbank vergleichbar ist. Die Mehrheit von Banco di Roma und Banco di Santo Spirito, einer vierten Großbank der IRI, ging bereits in den Besitz der Sparkasse Rom über. Wenn auch die Banca Commerciale in ein oder zwei Jahren verkauft werden sollte, wird das ein Geschäft in der Größenordnung von zehn bis zwölf Milliarden Mark. Der Staatshaushalt wird davon allerdings nicht profitieren. Der Konzern braucht das Geld selbst zur Deckung dringender Schulden.

Freilich sind die Banken die dicksten und schönsten Brocken aus dem IRI-Besitz. Mit den notorischen Verlustbringern Ilva Stahl – dem zweitgrößten Stahlhersteller Europas –, mit der Handelsflotte Finmare, der Werftgruppe Fincantieri und der Industriegruppe Finmeccanica kann der Staatskonzern keinen Staat machen. Nur die Telephongruppe STET-SIP bringt dank ihrer Monopolstellung recht dicke Gewinne. Und die Nahrungsmittelholding SME lockt wegen ihrer starken Marktposition Interessenten an. Aber bei diesen beiden Gruppen soll Rom die strategische Kontrolle behalten.

Die ENI soll zuerst ihre Gesellschaft für Turbinenbau, Nuovo Pignone in Florenz, verkaufen. Sie ist mindestens eine halbe Milliarde Mark wert. Die Energieholding ist zwar ein großer Auftraggeber für ihre erfolgreiche Turbinentochter, die kürzlich ein Kooperationsabkommen mit Siemens abgeschlossen hat, aber im übrigen paßt die Gesellschaft nicht in das Öl-, Gas- und Kohlenkonglomerat der ENI. Die kam denn auch auf seltsame Weise zu dieser Turbinenproduktion. Der exzentrische Florentiner Bürgermeister Giorgio La Pira hatte seinerzeit dem ENI-Chef Enrico Mattei erklärt, daß der Konzern die Nuovo Pignone übernehmen müsse, weil die Madonna ihm erschienen sei und dies geraten habe. Dieser göttlichen Inspiration wagte der ENI-Präsident nicht zu widersprechen. Heute wäre Roms Regierung für einen Wink des Himmels dankbar, wie sie den riesigen Staatsbesitz am besten wieder los wird.