Von Roland Kirbach

Samstag abends, wenn andere Leute ihr freies Wochenende genießen, hat Peter van der Tol den meisten beruflichen Streß. Mit seinem Dienst-Volvo rast der Niederländer dann über die Autobahnen in Brabant, um in historischen Gemäuern anderen Menschen beim Feiern zuzusehen. An diesem Samstagabend schaut er zunächst im "Jaiselings Royal Palace" im südholländischen Ort Wernhout vorbei, wo ein Brillenhersteller mit seinen 900 Beschäftigten ein Betriebsfest feiert.

Einst war dies ein Augustinerkloster, heute gehört der mittelalterliche Gebäudekomplex van der Tols Arbeitgeber, der Firma Arjan van Dijk. Im ehemaligen Innenhof, der inzwischen überdacht wurde, beginnt das Fest. Ägyptische Säulen aus Styropor sollen orientalisches Flair vermitteln. Ein einheimischer Kinderchor, mit weißen Gewändern und schwarzen Perücken arabisch kostümiert, empfängt die Gäste mit A-cappella-Liedern. Nach der obligaten Ansprache des Chefs übernimmt ein Moderator das Mikrophon, der Showteil beginnt, während in den Nebenräumen diverse Büffets eröffnet werden.

Zufrieden steigt van der Tol wieder in seinen Wagen; sein nächstes Ziel ist das alte Fort St. Gertrudis – ebenfalls im Besitz von Arjan van Dijk – im rund fünfzig Kilometer entfernten Geertruidenberg, wo an diesem Abend eine Getränkefirma ihr Betriebsfest feiert. An die zwanzig Feste mit bis zu 10 000 Essen pro Wochenende organisiere seine Firma, sagt van der Tol, der als "kommerzieller Direktor" für den reibungslosen Ablauf zu sorgen hat. In den Niederlanden gebe es eigentlich kein größeres Unternehmen mehr, meint er stolz, das seine Feiern nicht von Arjan van Dijk ausrichten ließe.

Auf dem Gebiet der "Ereignis-Organisation", wie van der Tol das nennt, gebe es kein vergleichbares Unternehmen – auch nicht in Deutschland. Die Arjan-van-Dijk-Gruppe, benannt nach ihrem Chef und Gründer, hat mittlerweile 150 Angestellte, dazu 450 freie Mitarbeiter sowie 400 Künstler und Artisten, die zum Teil ausschließlich auf den Festen dieses Unternehmens auftreten. Von den Dekorationen, die in einer eigenen Werkstatt angefertigt werden, bis zu den Tausenden von Mahlzeiten, die von der eigenen Großküche im Industriegebiet von Geertruidenberg zu den Veranstaltungsorten transportiert werden, macht Arjan van Dijk alles selbst. Der Jahresumsatz, sagt van der Tol, betrage inzwischen rund 33 Millionen Mark.

Derzeit bereitet sich Aijan van Dijk darauf vor, in die Bundesrepublik zu expandieren. Hier sieht van der Tol noch einen riesigen Markt. Erst rund fünfzehn Prozent aller Firmenfeste in Deutschland, schätzen Insider, werden von Agenturprofis arrangiert – mit steigender Tendenz. Schon gibt es auch hierzulande zahlreiche "Veranstaltungsagenturen", die jedoch, meint van der Tol, "nur einzelne Segmente abdecken" und nicht alles aus einer Hand anbieten.

Die herkömmliche Betriebsfeier, vom Betriebsrat oder einem "Festkomitee" organisiert, "ist ein auslaufendes Modell", sagt Manfred Pasenau, Inhaber der Frankfurter Agentur Pasenau Communications. "Das Anspruchsdenken sowohl der Firmeninhaber als auch der Mitarbeiter" sei gestiegen: "Mit Roberto Blanco können Sie heute keinen Blumentopf mehr gewinnen." Sein oberstes Ziel sei, mit seinem Fest zu einem guten Betriebsklima beizutragen – auf hohem Niveau, versteht sich. Wichtig sei, "den Rhythmus des Abends vorherzubestimmen", sagt Pasenau. "Aktive" und "passive" Phasen müßten einander abwechseln. Ein Künstler beispielsweise dürfe nie mehr als fünf Lieder singen: "Es soll ja kein Konzert daraus werden."