Sie entwickeln hübsche Renditen, haben aber ihre Stacheln: Anleihen der deutschen Bundesländer. Ihr Ertrag liegt rund ein zehntel Prozentpunkt über der Rendite vergleichbarer Bundesanleihen – und die Rückzahlung ist genauso sicher wie beim Bund. Frankfurter Rentenberater empfehlen sie allerdings nur Privatanlegern, nicht aber professionellen Investoren oder Verwaltern großer Vermögen. Der Grund: Schon Geschäfte mit Anlagebeträgen von 20 000 bis 50 000 Mark können überdurchschnittliche Kurssteigerungen auslösen und damit die Renditen schmälern, da Länderanleihen an der Börse relativ wenig gehandelt werden.

Simple Ursache für die geringen Umsätze: Es gibt nur wenige Anleihen der Länder. Rheinland-Pfalz hat die letzte Anleihe vor sechs Jahren begeben, als noch Kupons von 5,75 Prozent üblich waren. In solchen Niedrigzinsphasen holen sich die Bundesländer gerne Geld über den Rentenmarkt, obwohl das seinen Preis hat: Da sind zum einen die Konsortialkosten in Höhe von etwa 0,25 Prozent des Emissionswertes und zum anderen die sogenannte Schaltervergütung von rund 0,625 Prozent, mit der die Banken sich den Vertrieb bezahlen lassen.

Größter Nachteil der Anleihen aus Ländersicht ist freilich, daß sich ihr Volumen nicht exakt dem Geldbedarf anpassen läßt. Schnell ist eine halbe Milliarde Mark mehr in der Kasse, als die Landesregierung gerade braucht. Weil die Bundesbank die Kontrolle über die Geldmenge nicht verlieren will, müssen die Länder ihre Überschüsse oder liquiden Mittel zinslos auf einem Bundesbankkonto hinterlegen. Weil die Länder für dieses Geld zugleich an den Anleihezeichner Schuldzinsen zahlen müssen, ist das für sie ein ausgesprochen schlechtes Geschäft. Nur kleinere Beträge von insgesamt sieben bis acht Milliarden Mark für alle sechzehn Bundesländer, die sogenannten "Globalkontingente", können die Länder liquide halten und so lange zinsbringend anlegen, bis sie sie benötigen – um ein größeres Bauvorhaben abzurechnen oder um das Weihnachtsgeld für die Landesbediensteten zu zahlen. Da kann es sich lohnen, das Geld zu 7,5 Prozent hereinzunehmen und dann als Termingeld zu 8,5 Prozent anzulegen. Im Falle Baden-Württembergs etwa reichen die Globalkontingente bis zu 750 Millionen Mark. Es scheint aber Tricks zu geben, wie auch Beträge oberhalb der Globalkontingente gewinnbringend angelegt werden können. Kontrolliert werden die Geschäfte von den Landeszentralbanken, also den Hauptstellen der Deutschen Bundesbank. Für die Länder ist es deshalb oft von Vorteil, wenn der LZB-Präsident zuvor Finanzminister war oder wenigstens Verständnis für die finanziellen Sorgen der Länder hat. Beim Bund sind solche Feinheiten weniger wichtig, weil ihm ja der Bundesbankgewinn zufließt.

Der Markt für Länderanleihen war in der jüngsten Vergangenheit auch deshalb begrenzt, weil nicht klar war, wie Länderanleihen in der neuen Eigenkapitalrichtlinie für deutsche Kreditinstitute behandelt werden. Erst jetzt scheint sicher, daß Länderanleihen wie Bundesanleihen behandelt werden und daß die Banken diese Wertpapierbestände in ihrem "Nostro" nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen. Das hat die Nachfrage nach Länderanleihen in jüngster Zeit leicht erhöht – mit der Folge, daß die Kurse stiegen und die Renditen sanken.

In der Vergangenheit haben sich die Länder meist auf Schuldscheine und Kassenobligationen konzentriert. Schuldscheine gehören nicht zur Familie der Bonds und sind deshalb auch international nicht anerkannt; Ausländer kaufen sie nicht. Für viele Geschäfte, vor allem jene am Terminmarkt, fällt der Schuldschein aus. Denn letztlich ist er kein Wertpapier, sondern ein Kredit, den ein Gläubiger dem Land als Schuldner gibt und den etwa eine Bank an eine Versicherung als Geldanlage vermittelt. Der Schuldschein ist freilich abtretbar und somit dennoch begrenzt handelbar. Er erreicht aber nie die Handelsbreite. Die Sorge, ob der Markt den Schuldschein abnimmt, bleibt dem Gläubiger, der den Schein verkaufen will, also nie erspart.

Ähnlich ist es bei Landesobligationen. Bei ihnen kann man sich zwar darauf verlassen, daß die Landesbanken die Papiere zurücknehmen und stets einen Kurs stellen. Aber die Gefahr eines schlechten Kurses ist deshalb größer als die Möglichkeit, daß überhaupt kein Kurs gestellt wird. Auch Kassenobligationen (mit einer Laufzeit bis zu fünf Jahren) und Schatzanweisungen (mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren) sind Ersatzinstrumente für Länderanleihen.

Der größte Vorteil dieser Instrumente ist aus Ländersicht die punktgenaue Geldbeschaffung: Besonders mit Schuldscheinen lassen sich die Finanzierungsbedürfnisse auch kleinerer Beträge tag- und betragsgenau erfüllen, weil etwa der Fälligkeitstermin verhandelbar ist. Schuldscheine und Obligationen mit einem Emissionsvolumen von 100 Millionen Mark sind durchaus gängig. Länderanleihen mit einem Volumen von 350 Millionen Mark Volumen sind zwar möglich, aber selten. Ein Volumen von einer Milliarde Mark, das vor Jahren noch als "Jumboanleihe" galt, ist mittlerweile durchaus üblich. Schuldscheine sind also sehr viel feiner zu "portionieren". Wieviel billiger die Ersatzinstrumente der Länderanleihe sind, zeigte jüngst ein Vergleich der SüdwestLB. Sie bot Landesobligationen zu effektiv 8,1503 Prozent Rendite an; Schuldscheine kamen auf eine Rendite von 8,1578 Prozent, Landesanleihen auf 8,1692 Prozent.