Herr B. hat im Kaufhaus ein T-Shirt gekauft und bummelt noch ein wenig durch die anderen Abteilungen. In der Computerecke werden die neuesten Schreibmaschinen angeboten. Zum Beispiel der Typ "Gabriele" – sie ist "bedienerfreundlich", "mit Typenradtechnologie", "made in Germany". Schon ist ein Verkäufer zur Stelle. "Sie können gerne mal was schreiben", sagt er und spannt einen Bogen Papier ein. Jetzt kann Herr B. schreiben. Ihm fällt aber nichts ein. Doch, sein Name natürlich. Auch das heutige Datum. Und sonst nichts? Mißmutig fingert B. an "Gabrieles" Tastatur herum. Das Typenrad rattert los: "oijiulplkhgsg".

Neben der Maschine liegt ein vollgetipptes Blatt, "hei mike, na alter affe wie gehts". Herr B. wird neugierig. Mal sehen, was die anderen so zu Papier bringen, "hallo futzemann", "der klaus ist doof", "Deutschland verecke!" Zuerst soll offenbar die deutsche Rechtschreibung verrecken, aber die hat ja schon manchen Anschlag überlebt.

Die meisten Besucher, soviel steht fest, tippen drauflos. "Hallo, guten TAg, ich HeissE EgoN MüllER!" Sehr erfreut. Nicht weniger erfreulich, wie ungezwungen Johannes und Tanja an der Schreibmaschine mit ihren Gefühlen umgehen; Tanja ergreift die Initiative: "Johannes, ich mag dich so sehr". Wer so sehr gemocht wird, der hat gut schreiben: "Tanja ich mag Dich auch und ich möchte ein Leben lang bei Dir bleiben am liebsten möchte ich Dich jetzt KÜssen!!!!!" Herr B. ist gerührt, ertappt sich dann aber bei dem Gedanken, daß aus tiefstem Herzen nicht unbedingt die originellsten Einfälle kommen. Überhaupt, so konstatiert er nicht ohne Befriedigung, hält sich die Kreativität der anderen in Grenzen.

Hochmut kommt vor dem Fall. Herrn B. erwischt es bei einem Blick auf die Rückseite des Blattes. "I was here and wrote on this machine", steht da. Einfach so hingeschrieben. B. liest noch einmal. I was here and wrote on this machine, murmelt er. Muß man sich diesen Satz nicht auf der Zunge zergehen lassen? Ist er nicht von schnörkelloser Klarheit? Hat er nicht Rhythmus und Melodie? Oder klingt das nur deshalb so eindrucksvoll, weil es Englisch ist? Während B. sich seine Gedanken macht, schweift der Blick weiter über das Blatt. "Egal was du schjreibsst", hat jemand, der vom Tippen wenig, aber offenbar viel vom Leben versteht, unten rechts hingeschrieben.

Erleichtert läßt B. das Papier sinken. Er wendet sich wieder der Maschine zu. "Gabriele", bedienerfreundlich, wie sie ist, hat geduldig gewartet. Der Verkäufer nicht. Gut so, Herr B. kann es ohnehin nicht leiden, wenn man ihm beim Schreiben über die Schulter guckt. Entschlossen drückt er auf die Korrekturtaste. Sind die ersten Einfälle nicht doch die besten? Nun ja, manchmal hat man eben keine besseren, sagt er sich und tippt:

Paul Behrens