Von Rolf Böhme

FREIBURG. – so zahlreich wie Ascheregen am Ätna überquerten die Germanen die Donau, schrieb Plinius der Jüngere nach einem Besuch der römischen Grenzen in Germanien. Das Römische Reich hielt diesem Druck nicht stand und zerfiel.

Stehen wir heute vor einer neuen Völkerwanderung? Können die Städte in Deutschland den Zuwanderungsdruck verkraften? Hier Fakten einer kleinen Großstadt:

In Freiburg wuchs zwischen 1990 und 1992 die Zahl der Flüchtlinge und Aussiedler von 2700 auf 4300. Der Nettoaufwand an Sozialhilfe für diese Menschen stieg im gleichen Zeitraum von 3,2 Millionen D-Mark auf 7,4 Millionen an.

Die Finanzen fallen ins Gewicht, aber noch spürbarer ist der Mangel an Wohnraum und Unterbringungsmöglichkeiten. Noch hat die Stadt Glück, weil der Abzug der französischen Streitkräfte Kasernen freigemacht hat. Aber auch sie sind inzwischen voll. Über die ganze Stadt verstreut werden jetzt Fertighäuser gebaut, Pensionen genutzt, freie Häuser gemietet.

Die politischen und gesellschaftlichen Gruppen und Parteien (mit einer Ausnahme), Kirchen, Gewerkschaften, Verbände und Träger der Freien Wohlfahrtspflege stehen solidarisch zu der Stadt und ihrer Aufnahmeverpflichtung. Mit dem Regierungspräsidium besteht eine gute Zusammenarbeit.

Aber die Bevölkerung sieht die Belegung freier Wohnungen und spürt die Nähe neuer Nachbarn. Bisher wurde Unmut nur verdeckt geäußert, doch in den Bürgerversammlungen wächst er, und die Killerblicke vieler sind nicht mehr zu übersehen. Verheerend wirkte das Auftreten der Roma – mit der Folge, daß die in der Stadt seit langem vorbildlich integrierten Sinti sich von ihren Stammesbrüdern distanzierten.