Worum, bitte, geht es eigentlich in Jugoslawien?", fragt Willi Winkler im Vorwort des Sammelbands "Europa im Krieg" (Die Debatte über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien; Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1992; 157 S., 14,– DM). Die Antwort: "Anders als noch Anfang 1991, als Saddam Hussein Hitler war und General Schwarzkopf Alexander der Große, läßt sich diesmal keine billige Debatte zwischen Pazifisten und Bellizisten anzetteln, sind die Guten und die Bösen feiner verteilt, als sich das bewährte Schulweisheit träumen ließ." Das Buch geht auf eine TAZ-Serie zurück, an der sich namhafte Autorinnen und Autoren vor allem aus Ost-, Mittel- und Südeuropa beteiligten.

Zwei Bücher der Erinnerungen: Theresia Mohos Schilderung ihrer Kindheit und Jugend in einem kleinen Dorf in Kroatien: Marjanci. Eine Kindheit in Kroatien 1928-1945 (Piper-Verlag, München 1992; 368 S., 39,80 DM) und Paul Parins Erzählungen aus dem Slowenien der zwanziger und dreißiger Jahre: Untrügliche Zeichen von Veränderung (Jahre in Slowenien; 3. veränd. Neuaufl., Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1992; 188 S., 38, – DM). Vom selben Autor ist ein Erinnerungsbericht über seine Tätigkeit als Arzt bei den jugoslawischen Partisanen erschienen: Es ist Krieg und wir gehen hin (Rowohlt Verlag, Berlin 1991; 286 S., 38,– DM; DIE ZEIT Nr. 47/91).

Wichtig zum Verständnis der gegenwärtigen Auseinandersetzungen ist die Untersuchung von Vladimir Dedijer über die von der kroatischen Ustascha während des Zweiten Weltkriegs verübten Verbrechen: Jasenovac – das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan (Ahriman-Verlag, Freiburg 1988; 273 S., 26, – DM; DIE ZEIT Nr. 8/89). Aus kroatischer Perspektive fragt Melita H. Sunjic nach den Wurzeln des Hasses: Woher der Haß? (Kroaten und Slowenen kämpfen um Selbstbestimmung; Almathea, Wien/München 1992; 222 S., 34,– DM).

Milovan Djilas, einer der engsten Mitarbeiter Titos, später einer der prominentesten Dissidenten, beschreibt in seinen Erinnerungen die jugoslawische Nachkriegsära: Jahre der Macht (Zum jugoslawischen Kräftespiel. Memoiren 1945-1966; Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1992; 472 S., 19,80 DM).

Den historischen Hintergründen der gegenwärtigen Auseinandersetzungen gehen mehrere Publikationen nach. Besonders empfehlenswert ist Wolfgang Libal: Das Ende Jugoslawiens. (Chronik einer Selbstzerstörung; Europa Verlag, Wien/Zürich 1991; 173 S., 29, – DM; DIE ZEIT Nr. 36/91). Gut informieren auch: Josip Furkes/Karl-Heinz Schlarp: Jugoslawien: Ein Staat zerfällt (Rowohlt-Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1991; 208 S., 9,80 DM) und Dorothea Gräfin Razumovsky: Chaos Jugoslawien (Piper-Verlag, München/Zürich 1991; 190 S., 16,80 DM). Eine Bilanz der Entwicklung Jugoslawiens seit dem Zweiten Weltkrieg aus französischer Sicht bietet Catherine Samary: Krieg in Jugoslawien. (Vom titoistischen Sonderweg zum nationalistischen Exzeß; ISP-Verlag, Köln 1992; 160 S., 19,80 DM).

Einen guten Überblick über Land und Leute in den sechs Republiken und zwei Provinzen des ehemaligen Jugoslawien vermittelt Christina von Kohl in der Beck’schen Reihe "Aktuelle Länderkunde": Jugoslawien (C.H. Beck, München 1990; 222 S., 19,80 DM). Dieselbe Autorin hat zusammen mit Wolfgang Libal eine Untersuchung über die zu fast neunzig Prozent von Albanern bewohnte Provinz Kosovo vorgelegt, der eine Schlüsselrolle im Konflikt zufallen könnte: Kosovo: gordischer Knoten des Balkan (Europa Verlag, Wien/Zürich 1992; 147 S., 29, – DM). Der bedrohten Welt der bosnischen Muslime spürt der in Wien lebende islamische Religionswissenschaftler Smail Balic nach: Das unbekannte Bosnien. (Europäische Brücke zur islamischen Welt; Böhlau Verlag, Köln-Weimar-Wien 1992; 526 S., 88,– DM).

Aus der Berichterstattung für das ZDF hervorgegangen sind Susanne Gelhards Reportagen aus dem Kriegsgebiet: Ab heute ist Krieg (Der blutige Konflikt im ehemaligen Jugoslawien; Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1992; 160 S., 12,90 DM; DIE ZEIT Nr. 33/92). Im Oktober erschienen in der Reihe "rororo-aktuell" eine Essaysammlung von Slavenka Drakulić, der in Zagreb lebenden Schriftstellerin: Sterben in Kroatien (Vom Krieg mitten in Europa; Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1992; 157 S., 9,90 DM) und ein von Erich Rathfelder, dem Osteuropa-Redakteur der TAZ, herausgegebener Sammelband mit kontroversen Beiträgen: Krieg auf dem Balkan (Die europäische Verantwortung; Rowohlt-Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1992; 205 S., 9,90 DM). Eine im Urteil abgewogene Darstellung hat der BBC-Korrespondent Misha Glenny vorgelegt: The Fall of Yugoslavia (The Third Balkan War; Penguin Books, London 1992; 194 S., 5,99 Pfund). Das Buch sollte schnell ins Deutsche übersetzt werden.

V.U.