Von Mohammed Abalkhail

RIAD. – In den Augen vieler Muslime verhalten sich die Europäer in der Jugoslawien-Frage zweideutig und unsicher. Diese Meinung teilen nicht nur die Religiösen, sondern auch jene in der islamischen Welt, die die europäische Kultur kennen und verstehen.

Als die Westeuropäer sich zur wirtschaftlichen und politischen Einheit bekannten, galt das als ein entscheidender Durchbruch in der Menschheitsgeschichte. Schließlich waren die europäischen Nationen, die einander gelobten, zusammenzuleben und zusammenzuarbeiten, rassisch, religiös und kulturell sehr verschieden. Sie hatten unterschiedliche Lebensstandards, und viele blickten auf eine lange Vergangenheit bewaffneter und kultureller Konflikte zurück. Uns beeindruckte sehr, daß diese Länder ihre Differenzen überwinden wollten. Ihr Bekenntnis zur Integration diente weltweit als Beispiel dafür, daß friedliche Koexistenz und wirtschaftliche Zusammenarbeit den ethnischen und religiösen Extremismus besiegen konnten.

Zwei verhängnisvolle Entwicklungen zerstören jetzt diesen Glauben: zum einen die Art und Weise, wie die Europäer die Jugoslawien-Krise anpacken; zum anderen die wachsende Macht politischer Rechtsextremisten in Europa.

Die europäischen Regierungen kannten die turbulente Vergangenheit des Balkans. Trotzdem hatten sie keine Vorkehrungen getroffen, falls dort nach Titos Tod wieder Unruhen ausbrechen sollten. Um "irgend etwas zu tun", entschieden sich die Westeuropäer gleich zu Anfang für die staatliche Anerkennung von Slowenien und Kroatien. Damit schufen sie einen Präzedenzfall, der sich für die anderen Republiken des ehemaligen Jugoslawien als äußerst gefährlich erwies.

Schließlich wirkt sich auch der wachsende Extremismus in Europa auf das Jugoslawien-Problem aus. Jene, denen Europa nicht gleichgültig ist, empfinden nicht nur tiefes Mitleid mit den unterdrückten Minderheiten, sondern haben Angst, politische Extremisten könnten die Jugoslawien-Krise nutzen, um nun überall in Europa ethnische und religiöse Säuberungen zu propagieren.

Europa, das zwangsläufig verschiedene Nationalitäten, Rassen und Ideologien vereint, würde einen schweren Fehler begehen, sollte es den Extremisten irgendwelche Zugeständnisse machen. Dann wären der Zusammenhalt und die Integrität Europas aufs Spiel gesetzt – zumal gerade jene Nationen, die ethnisch besonders vielfältig sind, sich längst auf dem Weg in die EG befinden.