Von Reiner Luyken

Was wäre England ohne seine Glaubensbekenntnisse, ohne seine Riten? Ohne Fuchsjäger, ohne Eisenbahnenthusiasten – und ohne Gott?

Loughborough ist eine Kleinstadt in Leicestershire, die durch nichts Aufmerksamkeit auf sich zieht. Einmal im Jahr, am Tag des nationalheiligen St. Georg, marschieren die Kadetten der Loughborough Boys Grammar School hinter Trommeln und Fahnen in die Allerheiligenkirche, um ihren Treueschwur gegenüber Gott und der Königin zu erneuern. In dem seit einem Vierteljahrhundert stillgelegten Bahnhof der Great Central Railway lassen Eisenbahnenthusiasten an jedem Wochenende das Dampfzeitalter Wiederaufleben, als habe menschlicher Erfindungsgeist in der Dampflok Butler Henderson einen nie mehr übertroffenen Gipfelpunkt erreicht. Im sanft hügeligen Umland der Stadt setzt die berühmteste Hetzjagd des Landes, die Quorn, oft im Beisein des Prinzen Charles, den Füchsen nach. Die letzten Störungen des bürgerlichen Friedens liegen 186 Jahre zurück, als die Ludditen gegen die Einführung mechanischer Webstühle in John Heathcotes Litzenfabrik revoltierten.

Dieses Jahr kam Loughborough unverhofft in die Schlagzeilen. Zwei Gottesmänner des Archidiakonats stellten in einer Fernsehsendung der BBC ihr Glaubensbekenntnis in Frage.

"Ich bin von der Auferstehung Christi nicht überzeugt", erklärte Reverend David Paterson, Gemeindepfarrer von St. Peter am Westrand der Stadt, "aus wissenschaftlicher Sicht ist sie kaum vertretbar und aus religiöser Sicht völlig unerheblich." Und Stephen Mitchell, Vikar der Dorfkirche Holy Trinity in Barrow upon Soar – mitten im Jagdgebiet der Quorn –, konstatierte forsch: "Ich rezitiere das Glaubensbekenntnis als epische Dichtung."

Das Credo der "CoE", der Church of England, stand dahin – einer Institution, die mit ihren allgegenwärtigen gotischen und neugotischen Steinkirchen und Kathedralen zum Selbstverständnis der Nation gehört wie die durch eine EG-Direktive gefährdeten papierdünnen Kartoffelscheibchen mit Zwiebel- und Langustenaroma und die bei jeder Parlamentswahl kandidierende "Rasende Monster- und Irrenpartei" des Lord Sutch.

In den sonst alles andere als gottesfürchtigen Zeitungen des Landes brach ein heiliger Sturm los. Die hurtigen Reporter der Massenblätter machten überall Abscheu und Empörung aus. Die sogenannten Qualitätszeitungen hielten der Kirche hämisch den Spiegel vor und veröffentlichten spaltenweise Episteln entrüsteter Leserbriefschreiber. Die Times leitartikelte sorgenvoll: "Wie lange wird es dauern, bis die zersplitterte Kirche jede Identität und Integrität verliert?" Erzürnte Mitbrüder forderten die Exkommunikation der Ketzer von Loughborough. Die Fundamente einer jahrhundertealten Ordnung schienen zu wanken.