Von Wolfgang Blum

Schneller als bei uns geht’s nimmer", sagt Sigi, Student an der Berufsakademie Stuttgart. Bereits nach drei Jahren machen er und seine Kommilitonen ihren Abschluß, der in Baden-Württemberg einem Diplom an Fachhochschulen gleichgestellt ist. Die kurze Studiendauer liegt voll im Trend der Bildungspolitik. Dennoch ist diese Ausbildung bis heute nicht bundesweit anerkannt.

Berufsakademien bieten in Baden-Württemberg bereits seit achtzehn Jahren (Fach-)Abiturienten verschiedene Studiengänge in Ökonomie, Technik und Sozialwesen an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Betriebswirtschaft. Für ein Fach aus diesem Gebiet sind etwa zwei Drittel der Studenten eingeschrieben. In jüngster Zeit brachte die Misere an den deutschen Hochschulen das Modell des Musterländles wieder in die Diskussion. Vergangenes Jahr gründete Sachsen vier Akademien nach diesem Vorbild, im März 1993 will Berlin nachziehen. Auch einige andere Bundesländer erwägen, sie einzuführen.

Das Studium an einer Berufsakademie ist nicht nur kurz, sondern auch sehr praxisorientiert. Die drei Jahre sind in sechs Semester aufgeteilt. Pro Halbjahr besuchen die Studenten drei Monate lang die Akademie, die anderen drei arbeiten sie in einem Betrieb. Dort sollen sie die erworbenen theoretischen Erkenntnisse anwenden. Um das zu gewährleisten, arbeiten die Berufsakademien eng mit den beteiligten Unternehmen zusammen.

Die Firmen entscheiden über den Lehrplan mit. In den zuständigen Gremien sind sie genauso stark wie die staatlichen Stellen vertreten. Auch am Unterricht beteiligen sie sich. Hauptamtliche Dozenten bestreiten nur etwa ein Fünftel der Stunden. Den Rest übernehmen Lehrbeauftragte von Universitäten, Fachhochschulen und vor allem aus der freien Wirtschaft. "Da kommen hochkarätige Manager zu uns und nehmen sich die Zeit, uns ihre Erfahrungen zu vermitteln", schwärmt Dagmar, die wie Sigi Betriebswirtschaft an der Stuttgarter Berufsakademie studiert.

Praxis und Theorie zu koordinieren erfordert einigen organisatorischen Aufwand. Die rund 3500 Studienplätze an der Berufsakademie Stuttgart sind an über 1000 – zu einem großen Teil mittelständische – Betriebe vergeben. Mit jeder dieser Firmen muß die Akademie den Kontakt pflegen; die Professoren müssen 1600 nebenberufliche Lehrkräfte betreuen.

Für die Unternehmen bedeuten die Studenten eine Investition. Sie bezahlen ihnen das ganze Jahr eine Vergütung, die mindestens so hoch wie ein Lehrlingsgehalt sein muß, obwohl die Auszubildenden immer nur drei Monate im Betrieb verbringen. Und selbst in dieser Zeit sind sie nicht voll einsatzfähig, da sie ihr vorgeschriebenes Lernprogramm absolvieren müssen. Lohnend wird es für die Firma indessen, wenn die "Berufsakademiker" ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Sie kennen sich aus im Unternehmen und brauchen keine Anlaufphase mehr, anders als ihre Kollegen, die von Universitäten oder Fachhochschulen kommen.