Von Tom Brokaw

NEW YORK. – Ein neues Wort wird die Umweltschützer bewegen: Taiga, der russische Name für den Waldgürtel, der weit über fünf Millionen Quadratkilometer des russischen Ostens und Sibiriens bedeckt. Die Taiga ist größer als Brasiliens Regeriwälder und – wie viele Wissenschaftler glauben – auch wichtiger für die Erhaltung des Erdklimas.

Die russische Regierung hat auf der verzweifelten Suche nach Investoren die holzverarbeitende Industrie als dem Ausland zu einer extensiven Nutzung der Taiga-Wälder eingeladen. Daraufhin haben sich im Oktober Wissenschaftler und Umweltschützer in Schweden getroffen und ein Netzwerk zur Rettung der Taiga gegründet. Zugleich wurden Pläne erarbeitet, wie die Rechte der Ureinwohner besser verteidigt werden können.

Wie in Brasilien die Urwaldbewohner ein wichtiges Frühwarnsystem gegen das rücksichtslose Abholzen ihrer Wälder sind, so laufen die sibirischen Jäger und Fischer Sturm, wenn Fremde Gewinne aus dem Reichtum ihrer Wälder und Flüsse ziehen.

Ich erfuhr von ihren Sorgen während einer Kajakfahrt mit fünf Freunden durch Sichote-Alin, einer Gebirgskette am Japanischen Meer. Ein russischer Biologe riet uns sehr, die Wasserscheide des Bikin-Flusses zu besuchen, um dort die unberührten Wälder zu sehen – Koniferen, Pappeln und Laubbäume.

Die Taiga ist die Heimat des sibirischen Tigers. Er teilt den Lebensraum der Wälder mit Braunbären, Elchen, Zobeln und kleinen Rehen. Die wenigen Menschen, denen wir begegneten, führet ein einfaches, hartes Leben in Holzhäusern mit nur einem Zimmer, die längs der Jagdwege oder an Flußufern stehen.

Jede Entwicklung dieser Region hat große Hindernisse zu überwinden. Es gibt keine Straßen, keine funktionierenden Behörden, keine politische Stabilität. Doch Rußlands Mangel an Devisenreserven und der weltweite Wettbewerb um Holz, Gold und andere Rohstoffe drohen eine behutsame Erschließung zunichte zu machen.