Nach vierzig Tagen haben die Erlanger Ärzte die Versuche, die sie fortschrittsfreudig als eine Expedition ins medizinische Neuland bezeichnet haben, aufgeben müssen. Der viereinhalb Monate alte Fötus hat es im Bauch seiner achtzehnjährigen hirntoten Mutter nicht mehr länger ausgehalten und für seinen Abgang aus der kühnen Welt der Forscher die Fehlgeburt gewählt.

Mit dem Abstellen des Respirators kam jetzt endlich auch Marion Ploch zur Ruhe. Die ihr von Ärzten und Ethikern zugewiesene Aufgabe, den Mutterleib als Brutmaschine bis über den Hirntod hinaus zur Verfügung zu stellen, hat sie nicht zu Ende bringen können.

Der nicht unerwartete Ausgang des Experimentes darf aber die Debatte um die Herausforderung des angeblichen medizinisch-technischen Fortschritts nicht beenden. Wer in der Erlanger Intensivstation nur den Ort einer verlorenen Schlacht erkennt, die vielleicht technisch doch zu gewinnen gewesen wäre, sieht viel zu kurz. Die Vertreibung aus dem Neuland könnte auch Anlaß zur Rückbesinnung sein: Zu biblischen Zeiten hat das schon der Weise Salomo gewußt: Der Mensch denkt, und Gott lenkt... hhb