Von Odile Benyahia-Kouider

Wie hoch sind die Etats von WDR und ZDF? Was kosten dreißig Sekunden Fernseh- und Hörfunkspot? Dies sind Fragen, die an Universitäten normalerweise nicht gestellt werden. In Köln gehören sie zum Alltag. Denn seit zwei Jahren gibt es hier ein Institut für Rundfunkökonomie – das erste in Deutschland.

Initiiert wurde es von den Wirtschaftsprofessoren Günther Sieben und Karl-Heinrich Hansmeyer. Betriebswirt Sieben interessiert sich für Kostenrechnung und Preisbildung in Institutionen, die nicht direkt für den Markt produzieren. Finanzwissenschaftler Hansmeyer ist Spezialist für öffentliche Güter; zu deren Eigenarten zählt, ohne Entgelt von allen genutzt werden zu können. Hansmeyer: "Wenn Sie ein Radio haben, können Sie jeden Sender hören, ob Sie bezahlen oder nicht. Das ist ein typisches Problem, das wir bei vielen Leistungen haben, die der Staat anbietet."

Kürzlich hat Hansmeyer mit seinen Studenten in einem Kolloquium das Finanzierungssystem des Rundfunks analysiert. Dabei dienten die Theorien der öffentlichen Güter und des Föderalismus als grundlegende Ansätze. Andere Themen sind Wettbewerb, Budgetierung oder Controlling. Studenten der Volks- und Betriebswirtschaft können Rundfunkökonomie als Nebenfach wählen.

Seit 25 Jahren gibt es an der Kölner Universität schon ein Institut für Rundfunkrecht. Aber mittlerweile sind die wirtschaftlichen Probleme so wichtig wie die rechtlichen geworden.

Bisher liegen dreißig Diplomarbeiten vor – fast alle über die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Da geht es zum Beispiel um die "Möglichkeiten des zeitgerechten Einsatzes von ausgewählten Finanzmanagement-Instrumenten" oder um die "ökonomischen Auswirkungen von EG-Richtlinien im Rundfunkbereich". Mangelware sind Arbeiten über die privaten Sender. Das erklärt sich einerseits durch die persönlichen Kontakte der beiden Direktoren des Instituts mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Mehrere ehemalige Kollegen sind beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Andererseits ist es für die Studenten schwierig, an Unterlagen der privaten Sender heranzukommen. Die Konkurrenz soll ihnen nicht in die Karten schauen.

Hansmeyer nennt noch einen wissenschaftlichen Grund für die Schlagseite zu den öffentlichrechtlichen Sendern. Private Rundfunkanstalten seien für die Forscher nicht so interessant, weil sie sich nur aus Werbeeinnahmen finanzieren. Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz dagegen lebt von Werbung und Gebühren.