Als ob der Mann nicht schon genug zu tun hätte – Finanzminister Theo Waigel will möglichst schnell Hunderttausende von Wohnungen in Ostdeutschland privatisieren. Sein Plan zeichnet sich durch Realitätsferne aus.

Die Motive liegen auf der Hand: Mit den Verkaufserlösen will der Minister einen Teil der Altschulden tilgen, die auf den ostdeutschen Wohnungsunternehmen liegen und die der Bund über kurz oder lang wohl übernehmen muß. Waigel erliegt aber einer Illusion. Denn zum einen lassen sich die Wohnungen nicht so schnell verkaufen; potentielle Käufer verdienen zu wenig, bei vielen Häusern sind noch nicht einmal die Besitzverhältnisse geklärt, eine Reihe von Wohnungen will niemand haben. Zum anderen rechnet Waigel mit einem Sanierungsaufwand von nur 30 000 Mark pro Wohnung; vielerorts liegt der aber bei 80 000 Mark.

Zu allem Überfluß verängstigt der Finanzminister damit ostdeutsche Mieter. Wenn die nicht kaufen und andere Bürger zum Zuge kommen, stehen sie über kurz oder lang auf der Straße. Es gab vor Waigels Vorstoß wirklich schon Sorgen genug. he