Unsinn allerorten: Selbst optimistische Haushaltskalkulation erweist solche Verkehrspolitik als Traumschloß, während über ein sinnvolles Zurückschrauben der Ansprüche nicht nachgedacht wird. Die Folgen für die Politik und die Wirtschaft könnten katastrophal sein: Eine notwendige Umorientierung unterbleibt, bis eines Tages und viel zu spät der Bankrott offenbar wird. Dann trifft es aller Voraussicht nach die Teile des Verkehrssystems, deren Finanzierung jetzt schon am wenigsten abgesichert ist: Den Nahverkehr der Bahn und der kommunalen Verkehrsbetriebe sowie die Erhaltung der Landes- und Kommunalstraßen. Düstere Aussichten also für die Städte und Ballungsräume und die dort lebenden Menschen, die schon heute im Verkehr ersticken. Eine kaum zu rechtfertigende Last für die nächste Generation, die für die gigantischen Fehlinvestitionen die Zinsen wird zahlen müssen.

Der Verkehr finanziert sich selbst, sagt die Autoindustrie. Das Bild sieht anders aus, wenn die hohen Folgelasten für die Zukunft und auch die hohen Subventionen dieses Sektors durch steuermindernde Abschreibungen (wie teuer darf eigentlich der Wagen eines Arztes sein, damit er noch beruflichen Zwecken dient?), Kilometerpauschale oder verbilligte Werkswagen ohne entsprechende Versteuerung der geldwerten Vorteile, gegengerechnet werden. Dabei wurden bisher noch gar nicht die Umweltbelastungen erwähnt, die vor allem der motorisierte Verkehr verursacht und die bei einer fairen Kalkulation die Folgen aktueller Mißwirtschaft um eine erschreckende Bilanz von Elend und Tod von Menschen, Tieren und Pflanzen erweitert.

Sparen im Verkehrssektor hieße zunächst einmal, den Parallelausbau von Verkehrssystemen zu stoppen und sich für die kostengünstigere Variante zu entscheiden. Das Gegenteil geschieht: In Hessen etwa will der Bundesverkehrsminister dem Bahnausbau zwischen Kassel und Weimar nur zustimmen, wenn das Land vorher seinen parallelen Autobahnplänen, dem Weiterbau der A 44, zustimmt. In den meisten Fällen wäre im Verkehrssektor die sparsamste Politik auch die ökologisch verträglichste, alles spricht dafür, daß die gesellschaftlichen Kosten eines Bahnsystems günstiger sind.

Sparen hieße aber vor allem, den Autoverkehr zu verringern. Ob belgische Schweine wirklich über die Alpen gefahren werden müssen, um als "typisch südtiroler Speck" wieder zurück in einen westeuropäischen Supermarkt gekarrt zu werden, ist hierbei nicht die einzige Frage. Milch aus Bayern muß bisher offenbar unbedingt in Bremen der einheimischen Konkurrenz machen, Käse aus Holland in Sizilien als Sonderangebot offeriert werden. Das mag zwar das Bruttosozialprodukt steigern, es kostet jedoch uns alle immense Belastungen, die nicht von den Verursachern getragen werden. Dasselbe gilt für unerwünschte neue Supermärkte "auf der grünen Wiese", die keinen Heller für die von ihnen erzeugte Infrastrukturbelastung zahlen, aber halbe Autobahnkreuze mit Automobilen füllen.

Sparen hieße dann auch: mehr bezahlen. Wenn eine spürbare und absehbare, über mehrere Jahre kontinuierliche Kostenerhöhung im Verkehr stattfände, könnten sich alle auf eine solche Entwicklung einstellen. Es würde sich rentieren, Geld damit zu verdienen, durch Intelligenz Verkehr einzusparen.

Schränkt weniger Herumfahren aber nicht die Menschen ein und schadet es der Wirtschaft? Verkehr ist wie Müll, erklärte jüngst der ehemalige Nordrhein-Westfälische Verkehrsminister Christian Zöpel. In der Tat ist Verkehr nicht selbst ein ökonomischer Nutzen, sondern ebenso wie etwa der Einsatz von Elektrizität oder eben die Produktion von Müll ein negatives Begleitmoment, das es im Verhältnis zum ökonomischen Ertrag zu minimieren gilt.

Ob weniger Verkehr wirklich die Menschen einschränkt oder ob die negativen Folgen bald viel mehr einschränken ist sicher auch eine Frage der Werthaltung. Typisch ist hier schon der Ozonalarm im Radio, der zwar vom Aufenthalt im Freien abrät, aber nicht vom Autofahren.