Von Roland H. Knauer

Schuld an allem ist ausgerechnet das gute Naturschutz-Management. Da die Wildhüter in Simbabwe für afrikanische Verhältnisse besonders gut aufgepaßt haben, vermehrten sich die Elefantenherden in den Naturparks explosionsartig. Überbevölkerung mit den Dickhäutern droht das gesamte Ökosystem zu kippen. Unterstützt von internationalen Naturschutzorganisationen, ergreifen die Behörden Simbabwes deshalb die einzig wirksame Gegenmaßnahme: Sie reduzieren die Population mit dem Gewehr.

Dabei fällt zwangsläufig ein sehr wertvoller Rohstoff an. Ihn aber darf das bitterarme Land weder nutzen noch verkaufen: Für Elfenbein besteht ein weltweites Handelsverbot. Das hat gute Gründe: In den meisten Nachbarländern Simbabwes droht dem Elefanten nämlich die Ausrottung. Wilderer richteten im Auftrag der internationalen Elfenbeinschmuggler Massaker unter den Dickhäutern an. Erst als 1989 in Lausanne ein Abkommen über ein unbefristetes Handelsverbot erlassen wurde, ließ der mörderische Druck auf die Elefanten nach. Das Verbot bestraft aber gleichzeitig Simbabwe, das Devisen aus dem Verkauf der wertvollen Ressource bitter nötig hätte, nicht zuletzt um sein vorzügliches Wildlife-Management zu finanzieren. Ein klassisches Dilemma, das wohl nur mit Hilfe der reichen Industrienationen gelöst werden kann.

Die eigentlichen Ursachen für das Problem liegen im raschen Bevölkerungswachstum der Region – der Vatikan und die moderne Medizin haben dabei kräftig mitgewirkt. Da immer mehr Menschen immer mehr Platz beanspruchen, werden die Elefanten auf wenige, isolierte Lebensräume zurückgedrängt, die Einheimische entweder nicht nutzen wollen oder die als Nationalparks geschützt werden. Wie in großen Inseln leben die Dickhäuter dort weitgehend abgeschnitten von benachbarten Gruppen.

Früher wichen sie schlechten Bedingungen in ihrer angestammten Region einfach aus. Tausende von Kilometern wanderten die grauen Riesen auf der Flucht vor Dürren oder anderen Unbilden der Natur. Heute dagegen zwingt sie die Enge ihrer Reservate, die natürlichen Ressourcen zu übernutzen. Wenn sie notgedrungen ganze Baumbestände abschälen und damit vernichten, zerstören sie nicht nur ihre eigenen Lebensgrundlagen, sondern auch die anderer Großtiere. Oft genug verstärken die Einheimischen den verhängnisvollen Trend noch, indem sie mit Buschfeuern weitere Vegetation verbrennen. Das ökologische Gleichgewicht, das durch die menschliche Übernutzung längst aus den Fugen geraten ist, kippt vollends.

Um zu retten, was noch zu retten ist, greifen die Naturschutzbehörden zu einer verzweifelten Maßnahme, die eigentlich dem Nationalpark-Gedanken entgegenläuft: Knapp die Hälfte des auf sechzig- bis siebzigtausend Tiere geschätzten Elefantenbestandes Simbabwes soll in den kommenden Jahren dem Gewehr zum Opfer fallen. Für jedes Ökosystem, für jedes Reservat peilen die Behörden dabei andere Bestandsdichten an. Schließlich variiert die ideale Dickhäuterzahl pro Quadratkilometer mit der Art des Lebensraums. In der Grassteppe beanspruchen die Tiere zum Beispiel mehr Platz als in Regionen mit Waldgebieten.

Mit Rücksicht auf die Sozialstruktur der Dickhäuter werden nicht einzelne Individuen erlegt, sondern ganze Familien ausgelöscht. Höchstens wenn Bedarf in Zoos besteht, lassen die Naturschützer einzelne Kälber leben. Die Kadaver der getöteten Tiere nutzen die Einheimischen, so gut es geht. Das Fleisch verhilft der lokalen Bevölkerung gegen geringes Entgeld zu einem Festessen, die Häute werden etwa zu Sätteln gegerbt. Einzig auf dem wertvollsten Rohstoff, dem Elfenbein, bleibt Simbabwe sitzen. An dem Handelsverbot für die nachwachsende Ressource möchte inzwischen auch der World Wide Fund for Nature (WWF) festhalten, nachdem er lange Zeit für einen stark eingeschränkten, kontrollierten Handel plädiert hatte. Der Grund: Mit Ausnahme von Südafrika und Simbabwe geht der Bestand der Dickhäuter in allen Staaten Afrikas rasch zurück. Die Hauptursache dafür ist der zunehmende Verlust von Lebensraum und die nach wie vor vorhandene Wilderei.