Von Eckhard Nordhofen

"So nicht? Wie denn? Aus bewegtem Immerdar. In Tupfern und Hupfern, blops und hops, in Fluktuationen und Schleifen." Botho Strauß

Zeitzeit, Konjunktur für Tiefsinn, Unsinn, Scharfsinn. Mit Lust und Zwang beugt sich die Epoche auf ihre Koordinaten und auf sich selbst zurück. Ein Zeitalter untersucht die Zeit.

Botho Strauß, der vibrierend feinhörigste unter den reflektierenden Dichtern, hat zwei neue Wörter gefunden, von denen man sich bald nicht mehr wird vorstellen können, daß sie nicht schon immer zum alten Erbe gehört haben. Noch klingen sie neu, aber sie leuchten sofort ein, weil sie treffen. Das wichtigere heißt "Beginnlosigkeit" und ist der Titel eines außerordentlichen Büchleins, das andere heißt "Einstweh".

Daß die Frage nach dem Beginn nicht die Frage nach dem Anfang ist, enhält in nuce das neue Drama der Zeit. Was sollen wir beginnen, wenn es keinen Anfang gibt? Das Beginnen, der Beginn enthält ein Ich, ein Bewußtsein. Der Anfang, zweifellos ein menschlicher Begriff zwar, ist immer menschenlos gedacht worden.

Dennoch waren wir immer schon Reiter auf dem Zeitpfeil, haben unser Bewußtsein gespreizt von Alpha bis Omega und wurden beim Gedanken an unsere eigenen siebzig, wenn’s hoch kömmt, achtzig Jahre fromm.

Weltzeit und Lebenszeit – daß sie nicht zusammenfallen und daß wir dazu verurteilt sind, das zu wissen, war der Motor unseres halbgöttlichen Gezappels. Nach Sebastian Haffner war es der Grund für den Zweiten Weltkrieg – "Weltzeit und Lebenszeit" ist auch ein Buchtitel von Hans Blumenberg.