Im vergangenen Jahr war aufgeflogen, daß Steuerbetrug in Frankfurts Bank- und Börsenszene gang und gäbe war. 353 Verfahren leitete der Staatsanwalt ein, darunter auch zehn wegen Untreue. Die ersten Strafbefehle gehen den Tätern gerade zu, mehrere öffentliche Verhandlungen wegen besonders schwerer Vergehen sind in Vorbereitung. Von diesem Skandal aufgerüttelt, hatte Bundesfinanzminister Theo Waigel noch für dieses Jahr die Gründung einer neuen Börsen- und Wertpapieraufsichtsbehörde angekündigt. Doch das erforderliche Gesetz liegt bisher noch nicht einmal im Entwurf vor.

Als Übergangslösung haben Rolf E. Breuer und der hessische Wirtschaftsminister Ernst Welteke beschlossen, acht Staatskommissare als vorübergehende Marktwächter einzustellen. Die Anleger dürfte das jedoch kaum beruhigen. Bezahlt und eingestellt werden die Kommissare nämlich von den Börsianern selbst. Mit anderen Worten: Der Börsenchef der Deutschen Bank wählt die Kontrolleure aus, die darüber wachen sollen, daß die Deutsche Bank an der Börse keine schrägen Geschäfte macht. Saubere Verhältnisse.