Das Windsor-Schloß brennt. Die Hubschrauber der "Tagesschau" fliegen über die Flammen. Die Kameras zeigen die verkohlte Residenz des britischen Königshauses von allen beschädigten Seiten. Die Nation nimmt Anteil. Die Regenbogenpresse ist betrübt. Ein Symbol brennt ab. Das macht die Königin nicht obdachlos. Es bedrängt aber die geistig obdachlosen Monarchisten. Da kommt ein "Wiedersehen in Howard’s End" gerade recht.

Die Hubschrauber des Film-Teams überfliegen das herrschaftliche Anwesen. Howard’s End, im Londoner Vorort Hilton gelegen, ist prächtig, intakt und der Traum von einem Landhaus. Üppig blüht die Natur im umgebenden Park. Am roten Backsteinhaus ranken sich Glyzinienstämme empor. Die Rosen stehen im edlen Wuchs. Die Haushälterin trägt ein makellos gestärktes Spitzenhäubchen. Die Kastanienzweige verneigen sich in Erwartung der Herrschaften, die dieses Gut ihr eigen nennen.

England 1910. Die Nacht ist blau, die Menschen sind leichtsinnig. Ein Liebespaar findet sich unter einem Baum. Familie Wilcox feiert in ihrem Haus ein Fest und lernt die Schwestern Schlegel kennen. Ein flüchtiger Kuß in der blauen Nacht hat Folgen. Die Gesellschaft, die nichts als die eigene Klasse kennt und den Rest als Pack abtut, bedenkt umständlich die Folgen einer harmlosen Mesaillance. Das ist in Maßen amüsant. Ein nichtssagendes Gerede bricht aus, das doch beiläufig alles festlegt. Jedes Mitglied der Familie spielt seinen Part: der Dummheit, der Anmaßung und der Attitüde.

Ausgenommen von diesem Panorama der durchschnittlichen Bosheit sind Margaret, die ältere Schlegel-Schwester (Emma Thompson), und Mrs. Ruth Wilcox (Vanessa Redgrave). Ihnen gelingt ein Dialog der Verständigung, wo alle anderen Sätze wie ein Keil zwischen die Klassen fahren. Die Wilcox-Dame ist krank. Sie bedenkt ihre Worte, sie verströmt ihre pazifistische Güte. Jede Silbe, die sie stockend vorbringt, könnte Teil ihres Testaments sein. Flehend lädt sie Margaret zum Besuch auf ihr Landhaus ein. Dann stirbt sie. Ihre Verfügung, der Freundin das Haus zu überschreiben, wird von der Wilcox-Familie heimlich vernichtet.

Mit Vanessa Redgraves frühem Verschwinden wird dem Film sein Rätsel genommen. Alle anderen Figuren verhalten sich, wie man es vom ahnungslosen, arroganten Stand erwarten darf. Nur die jüngere Schlegel-Schwester Helen (Helena Bonham Carter) rebelliert gegen ihresgleichen. Sie entdeckt ihre Solidarität zu dem kleinen, rührend ungeschickten Angestellten Leonard Bast (Sam West). Der balanciert den Federhalter auf der Nasenspitze und lauscht der Vorlesung "Musik und Bedeutung". Seinen romantischen Flausen entspricht Helens Wunsch nach sozialer Entgrenzung. Die Liebe zur klassischen Musik und Poesie verbindet. Der Hang zur Herkunft trennt.

James Ivory, seit dreißig Jahren als Regisseur der Merchant-Production verbunden, stellt sein filmisches Werk in den Dienst der Neuentdeckung des Romanciers E.M. Forster. Dessen Bücher wie "Zimmer mit Aussicht" oder "Maurice" verfilmt am laufenden Luxus-Band. Die Skrupel der Oberklasse, die Begierden der Arbeiterschaft treffen in Forsters Romanen mal kraß, mal gedämpft zusammen. Die Sehnsucht nach einer überschaubaren Gesellschaft treibt Ivory & Merchant auf den Markt.

Ihre Filme bedienen das offenbar verstärkt aufgebrochene Bedürfnis, den verblichenen Glanz von Seide und Messing aufzuputzen. Die größte Anstrengung in dieser Produktionsserie vom Schlage Gutes Altes England unternimmt der Ausstatter. Für die Habenichtse der Vorkriegszeit wie Mr. und Mrs. Bast verschwendet die Regie kaum eine soziale oder visuelle Erkundung. Das Bett ist ihre Lebenswelt, Mattheit und Gier sind ihr Antrieb. Die Schwestern Schlegel und der autokratische Mr. Wilcox, der eine Art englischen Mr. Kane darstellt (Anthony Hopkins), haben ihr Monopol auf Gefühle fest im Griff. Da gibt es in diesem Konversationsdrama Gelegenheit zur Tragik, zu Schwärmerei und schwacher Solidarität. Einleuchtend dargestellt ist keines der Gefühle.