Warum nennt man den Hahn in den besseren Kreisen Bostons noch heute lieber rooster (statt cock) und kleine Steine lieber rocks (statt stones)? Zwar sind die viktorianischen Zeiten vergangen, wo zumindest in Gegenwart von Damen auch leg und breast verboten waren, aber Wörter mit allzu vulgären Anklängen sind jedenfalls für die ältere Generation noch tabu.

Das polynesische Wort "Tabu" steht ja für ein Verbot, das im Bereich des Religiösen und Magischen Gültigkeit beansprucht und sich nicht ausschließlich, aber eben auch auf den sprachlichen Ausdruck bezieht. In westlichen Sprachgruppen von heute betrifft es vor allem die Sexualsphäre, daher auch lieber "Intimsphäre" genannt. Sprachuntersuchungen geben interessante Aufschlüsse darüber, wie bei den einen die Analsphäre, bei den anderen die Genitalsphäre größeren Schutz genießt.

Die Autoren dieser Sprachfibel sind keine verbitterten Anhänger von Tabus. "Heute kann man ungestraft reden, wie man will", das ist ihnen völlig klar, "und viele geben sich große Mühe, eine besonders grobe, ‚tabufreie‘ Sprache zu sprechen." Denen mögen sie sich freilich nicht anschließen, die sich zurückhaltend "ein älteres Schweizer Ehepaar" nennen: Ilse Leisi ist eine ungewöhnlich gute Übersetzerin aus dem Englischen. Ernst Leisi war viele Jahre lang Professor für englische Sprachwissenschaft an der Universität Zürich.

Doch, wo die beiden uns deutlich machen, was uns Sprache angeht, ist Vorsicht geboten. Heißt es zum Beispiel leider treffend, beim "Gespräch über die Grenzen" – "also dann, ... wenn Menschen von verschiedenem sozialen Status miteinander reden oder Menschen verschiedenen Geschlechts oder verschiedenen Alters."

Aber es bleibt durchaus nicht so im allgemeinen. Sehr konkret ist die Rede von Konversation, von Reden und Essen, von Rechten und Pflichten der Gastgeber, von Einladung und Dank, von Titeln und Anreden, von dem, was zu sagen ist, in Theaterpausen, bei Trauerfeiern, am Telephon, für Fremdsprachige und vieles andere Beherzigenswerte mehr.

Da das Buch ganz ohne Hemmungen didaktischen Charakter hat, sagen ein paar Maximen wohl mehr als Themenangaben. Ich habe sieben nach eigenem Gusto herausgesucht:

1. "Das Telephon ist und bleibt eine ‚indiskrete Maschine’; darum muß der Telephonierende um so diskreter sein."