Von Heinz-Günter Kemmer

Wenn die Binnenschiffahrt einen zuverlässigen Freund sucht, dann muß sie zur Autoindustrie gehen. In den Kölner Ford-Werken sitzt Wolf J. Engels, der den Transport auf dem Wasser in höchsten Tönen lobt. Und der dazu noch Gutes für die Schiffahrt tut, weil er für die Verladung der Ford-Autos zuständig ist und dabei die Binnenschiffer in reichem Maße bedenkt.

Das hat bei Ford eine lange Tradition. Als das Kölner Werk 1931 seinen Betrieb aufnahm, wurde gleich ein Teil der Produktion auf Binnenschiffe verladen. Von 1964 an war dann allerdings "Sendepause", wie Engels sagt, weil der Schiffstransport nicht mehr wirtschaftlich war. Die Autos mußten mühsam mit dem Kran auf die Rheinschiffe gehievt werden – ein zeitraubendes und kostspieliges Verfahren.

Im August 1983 begann dann die Renaissance. Ein deutsch-holländisches Unternehmen – die Firma Interrijn Harms RoRo – ließ die Autos nun selbst auf das Schiff und auch wieder runterfahren. Die Kranverladung war überflüssig, die Kosten der konkurrierenden Bahn und des Straßentransports wurden unterboten.

Entscheidend war aber auch, daß Interrijn Harms ein Komplett-Angebot gemacht hatte. Die Gemeinschaftsgründung eines niederländischen Schiffahrtsunternehmens und der Bremer Speditionsfirma Harms übernahm nicht nur den Transport auf dem Wasser, sondern auch den zu Lande. Wolf Engels mußte also nicht mit einem Binnenschiffer und einem Lkw-Unternehmer verhandeln – er hatte nur einen Partner.

Das erste Schiff war die Terra, die 650 Pkw laden kann und zunächst zwischen dem holländischen Vlissingen und Köln pendelte – Ford-Autos aus deutscher Produktion für den Export nach Vlissingen, Ford-Autos von der englischen Schwester für den deutschen Markt. Heute hat Interrijn Harms fünf Schiffe auf dem Rhein, die längst nicht mehr für Ford allein fahren.

Mittlerweile ist nämlich Nissan hinzugekommen, und Geschäftsführer Bert Rensen hofft auf weitere Kunden. Für Mercedes-Benz und Opel ist schon probeweise gefahren worden, auch Toyota und Mazda sind interessiert. In Wörth am Oberrhein ist ein Terminal entstanden, in Mainz – in der Nachbarschaft des Opel-Werks in Rüsselsheim – hat das Unternehmen eine Option auf ein weiteres Terminal-Gelände. Und der im September eingeweihte Rhein-Main-Donau-Kanal beschäftigt schon jetzt Rensens Phantasie.