Es war eine kalte Nacht, und die Heizungen in den mit Fähnchenreihen geschmückten Räumen des Tobacco Dock, eines der ansehnlicheren Gebäudemonster im Londoner Hafenviertel, waren voll aufgedreht, um die illustren Gäste der Sunday Times-Weihnachtsfeier warm zu halten. Ohne viel Aufhebens schritt die schlanke, hoch aufgerichtete Gestalt des Staatsministers für Beschaffung, Alan Clark, durch die Tür. Mit grimmigem Gesichtsausdruck bahnte er sich seinen Weg durch die champagnertrinkende Menge und steuerte auf den Herausgeber der Zeitung zu.

Es war der 11. Dezember 1990. Kaum eine Woche zuvor hatte die Sunday Times Clark beschuldigt, britischen Firmen geholfen zu haben, Ausfuhrkontrollen für Rüstungslieferungen an Saddam Hussein zu umgehen. Die Behauptung war brisant: Großbritannien war drauf und dran, dem Irak den Krieg zu erklären, um ihn zum Rückzug aus Kuwait zu zwingen. Clark war wütend.

"Ich werde vor Gericht gehen", zischte er mit drohendem Unterton den Herausgeber an, "das kostet Sie 150 000 Pfund."

Fast zwei Jahre später trat Clark tatsächlich vor Gericht auf, im Zeugenstand von Old Bailey. Angeklagt waren drei leitende Angestellte der Firma Matrix Churchill, deren Namen im Bericht der Sunday Times genannt worden waren.

Clark hatte wiederholt bestritten, daß er den Export von Werkzeugmaschinen der Firma in den Irak genehmigt hätte, wenn er gewußt hätte, daß sie für Saddams Waffenindustrie bestimmt waren. Nun stand er unter Eid, und der Moment der Wahrheit war gekommen.

Kronanwalt Alan Moses, der Anklagevertreter, fragte unschuldig, ob Clark der Meinung eines Ministerkollegen zustimmen würde, daß es "durch die Bestimmungen keinen ausreichenden Grund mehr gab, den Export zu verhindern, selbst wenn die Drehbänke zur Herstellung von Munition gedacht waren".

Clark zögerte. "Ja", erwiderte er schließlich. Moses blieb abrupt stehen. Schweigen breitete sich im Gerichtssaal 16 aus, als allen die Bedeutung dieser Antwort klar wurde. Das Verfahren mußte eingestellt werden, weil den Matrix-Churchill-Managern kein Vorwurf mehr zu machen war. Zwei Jahre Arbeit der Zollbeamten waren vergeblich gewesen; und es waren drei Millionen Pfund Steuergelder zum Fenster hinausgeworfen worden.