Von Alan Friedman

Den britischen Ministern, denen vorgeworfen wird, Saddam Hussein vor der Kuwait-Invasion mit Waffen beliefert zu haben, bleibt ein schwacher Trost: Sie sind nicht die einzigen. In den Vereinigten Staaten, in Italien, Südafrika und Chile werden Politiker, Beamte, Bankenchefs, Geschäftsleute, Waffenhändler und Spione des gleichen Vergehens beschuldigt. Trotz des öffentlich erklärten Waffen- und Technikembargos konnten sie der Verlockung nicht widerstehen, die Kriegsmaschinerie des Irak weiter zu beliefern.

Heute ist klar, daß Matrix Churchill, die Werkzeugmaschinenfabrik in Coventry, nicht nur eine zentrale Rolle in Bagdads Netzwerk zur Waffenbeschaffung spielte, sondern auch in einem damit verbundenen Finanzierungsskandal. Dabei ging es um illegale Darlehen von rund fünf Milliarden Dollar an den Irak, die von 1985 bis 1989 von einer kleinen US-Filiale der staatlichen italienischen Banca Nazionale del Lavoro (BNL) in Atlanta, Georgia vergeben wurden. BNL Atlanta finanzierte Matrix und viele andere Firmen, die militärisch nutzbare Technologie an den Irak lieferten.

Vor fast sechs Jahren begann ich, diesen Fall in Mailand und Rom zu recherchieren. Damals erfuhr ich von Verbindungen zwischen europäischen Firmen und einem in der Schweiz ansässigen Beschaffungskonsortium, dem sechzehn Firmen angehörten. Das System war unter dem Namen Consen-Netzwerk bekannt, und es war an der Ausrüstung eines irakischen, atomar aufrüstbaren Raketenprojektes mit dem Codenamen "Condor 2" beteiligt.

An einem Augusttag des Jahres 1989, ich arbeitete als Korrespondent für die Financial Times in Mailand, fiel mir eine knappe, vierzeilige Pressemitteilung von BNL in Rom in die Hände, in der es hieß, man habe "Unregelmäßigkeiten" in der Atlanta-Filiale aufgedeckt. Einige Tage später gab mir ein Kollege in London einen Hinweis auf eine Firma namens Matrix Churchill. Als ich einen Informanten in Rom anrief und die Worte BNL und Matrix Churchill in einem Satz erwähnte, herrschte plötzlich Stille am anderen Ende der Leitung. Dann folgte eine auffallend hastig vorgetragene Einladung, das nächste Flugzeug nach Rom zu nehmen.

In Rom diskutierten wir über unseren Verdacht, daß BNL in Atlanta möglicherweise heimlich die Condor-Rakete im Irak finanziert hatte. Nach einer arbeitsreichen Nacht kam mein Kollege um fünf Uhr morgens schließlich von einer Rundtour durch die Stadt zurück und legte das Beweismaterial vor, das wir suchten.

Wie wir jetzt wissen, durchsuchte das FBI am Morgen des 4. August 1989 die BNL-Büros in Atlanta und entdeckte geheime Berichte über die umfangreichen Darlehen an Matrix Churchill und andere Firmen. In der Nacht zuvor hatte Gerald Corrigan, Präsident der Federal Reserve Bank in New York, einen hochrangigen Beamten der Bank von Italien per Telephon vor der bevorstehenden Durchsuchung gewarnt. Am 4. August um 10 Uhr morgens trafen sich Beamte der Federal Reserve Bank mit Vertretern der Bank von Italien, um zu diskutieren, wie eine Störung auf den Finanzmärkten weltweit zu verhindern sei, die einem größeren Bankenskandal folgen könnte. Am selben Abend wurden der BNL-Präsident Nerio Nesi und BNL-Direktor Giacomo Pedde zu einem Treffen mit Lamberto Dini, Generaldirektor der Bank von Italien, gerufen. Als die BNL-Geschäftsführer von der Atlanta-Affäre erfuhren, wirkten sie schockiert. Obwohl sie vorgaben, nichts von den Darlehen an den Irak gewußt zu haben, entließ die italienische Regierung beide innerhalb weniger Wochen.