HERDECKE. – Beim Karneval hört der Spaß auf. Das denken sich zumindest die Jecken in der westfälischen Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets. Dort gibt die Narrenzunft ein karnevalistisches Possenstück, das am Elften im Elften einen vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Der Vorhang hebt sich: Zwei Prinzenpaare erscheinen auf der Bühne. Zwei Prinzenpaare? Heißt es in den rheinischen Hochburgen des Frohsinns nur einmal "De Prins kütt", leistet sich das karnevalistische Niemandsland Herdecke gleich zwei Kamellen-Werfer. Der Grundstein zum Prinzenstreit am Herdecker Jeckenhof ist schon vor gut einem Jahr gelegt worden: Die 1. Große Herdecker Karnevalsgesellschaft (GroHeKa) hatte mit ihrem zweiten Vorsitzenden, Hans-Jürgen Möller, keine rechte Freude mehr und schmiß ihn raus. Möller blieb aber Chef des Festkomitees, das die fünfte Jahreszeit in Herdecke gestaltet. Nach dem GroHeKa-Auszug aus dem Narren-Olymp warfen sich die Widersacher wechselseitig vor, dem Karneval in ihrer Heimatstadt den Garaus zu bereiten.

Es kam so, wie es kommen mußte. Die Gro-HeKa wählte mit einem zweiten Karnevalsverein Ulrich Scheffler und Karola Krockhaus zu ihrem Prinzenpaar, das Festkomitee dagegen Karl-Heinz Sprawe und Waltraud Ghannam. Die doppelten Prinzen-Lottchen nehmen jetzt jeder für sich in Anspruch, die wahren Regenten zu sein. "Wenn sich die Vereine nicht auf ein Stadtprinzenpaar einigen, fällt die Schlüsselübergabe aus", verkündete Bürgermeister Knauer kurzerhand.

Der Morgen ging, und Hans-Jürgen Möller kam mit klingendem Spiel. Zum Karnevalsauftakt stand das Festkomitee um 11.11 Uhr beim Bürgermeister auf der Matte und forderte: "Hugo, rück die Schlüssel raus." Betretene Mienen herrschten bei Gastwirt Kalli und seiner Walli, denn die Tollitäten mußten unverrichteter Dinge wieder abziehen: Die Übergabe im Rathaus fiel ins Wasser. Knauer, "Ehrenschlafmütze" in einem Karnevalsverein, tauchte ebensowenig auf der Bildfläche auf wie die anderen Thron-Aspiranten. "Die haben zurückgezogen", wertete Möller das Ausbleiben der Konkurrenz.

Einen "Kahlschlag im Karneval" werfen die Jecken dem Bürgermeister jetzt vor. Sie mutmaßen, "daß das Duo Sprawe/Ghannam aus persönlichen Gründen nicht genehm ist". Den Kampf um die Narrenkrone hat Möller aber noch nicht aufgegeben. Der 54jährige Autohaus-Besitzer pocht auf ein "Gewohnheitsrecht" und hat juristische Schritte bis hin zur einstweiligen Verfügung angekündigt. Erik Walner