Helmut Schlesinger hat bereits aufgegeben. Der Bundesbankpräsident kann den Kampf gegen das starke Wachstum der Geldmenge in diesem Jahr nicht mehr gewinnen. Im Oktober stieg diese geldpolitische Richtgröße um mehr als zehn Prozent, mehr als jemals zuvor. Noch im Juli hatten die Frankfurter Währungshüter ein Geldmengewachstum von mehr als fünf Prozent für unvertretbar gehalten und die Leitzinsen erhöht. Inzwischen haben sie eingesehen, daß auch die härteste Zinspolitik nichts wert ist, wenn ringsherum alles zusammenbricht.

Jetzt kommt es darauf an, die Ziele für die Geldpolitik im kommenden Jahr zu beschließen. Die deutsche Wirtschaft, aber auch die europäischen Nachbarländer hoffen auf ein deutliches Zeichen der Lockerung. Die Arbeitslosigkeit steigt, und Europas Währungen sind weiter in Unordnung. Zwar kann die Bundesbank nicht alleine die Konjunktur wieder in Schwung bringen. Aber sie kann zumindest für Entspannung sorgen. Oder will Helmut Schlesinger auch 1995 der Prügelknabe Europas werden?

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