Feind hört mit

Wenn männliche Grillen (Gryllus rubens) des Abends ihre Liebesgesänge anstimmen, werden sie bisweilen nicht nur von partnersuchenden Weibchen erhört. Auch der Feind in Gestalt von Fliegenweibchen (Ormia ochracea) hört mit. Der Lauschangriff hat für die Grillen tödliche Folgen: Der Fliegenparasit legt gefräßige Larven in den singenden Wirt, um seine eigene Fortpflanzung zu sichern. Dem Abhörtrick der Fliegen kamen nun Forscher der Universität Gainesville, Florida, auf die Spur (Science, Bd. 258, S. 1135). Ein gewöhnliches Fliegenohr (Johnstonsches Organ) ist auf kurze Distanzen und niedrige Frequenzen geeicht und kann deshalb den hochfrequenten Gesang der Grillen nicht hören. Die Parasiten entwickelten jedoch ein bei Fliegen sonst unbekanntes Hörorgan (Tympanalorgan), das dem Ohr weiblicher Grillen gleicht. Das nur bei den Weibchen der Fliegen ausgebildete Abhörorgan ist offenbar gemäß der evolutionären Gesetzmäßigkeit entstanden – gleiche Probleme erfordern gleiche Lösungen.

Erfinderische Zellen

Infiziert ein Virus eine Zelle, wird seine Proteinhülle von einer zelleigenen Maschinerie in kleine Stücke (Peptide) zerhackt und diese anschließend auf der Zelloberfläche wie Zettel auf einer Pinwand dem Immunsystem präsentiert, damit es gegen die Infektion kämpft. Bisher nahm man an, daß auf dieser molekularen Pinwand, die ihrerseits aus sogenannten HLA-Klasse-I-Molekülen besteht, nur Viruspeptide bestimmter Längen haften können. Eine atomare Strukturanalyse des Komplexes aus HLA-Molekül und Peptid hat nun ergeben (Nature Bd. 360, S. 367), daß die Längentoleranz der HLA-Moleküle gegenüber den Bruchstücken größer ist als erwartet, weil nur deren Enden gebunden werden. Offenbar sind die bedrohten Zellen erfinderisch, wenn es darum geht, dem Immunsystem möglichst viele Viruspartikel zu präsentieren.