Autos mit Dieselmotor sind weiter im Kommen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres entschieden sich fünfzehn Prozent aller Neuwagenkäufer in Deutschland für diese Antriebsart – deutlich mehr als in den vier Jahren zuvor. Irritationen über Schadstoffgrenzen und Steuerbefreiungen, aber auch Meldungen über krebserzeugende Rußpartikel im Dieselabgas hatten die Autofahrer bewogen, sich stärker dem Benzinmotor mit Katalysator zuzuwenden. Im Jahr 1989 war nur jedes zehnte neue Auto ein Diesel.

Wesentlich beigetragen. zur neuen Beliebtheit der Selbstzünder hat, daß ihre Besitzer an der Tankstelle erheblich günstiger davonkommen als Fahrer von Benzinern. Dieselmotoren, für die allerdings höhere Anschaffungspreise und mehr Steuern zu zahlen sind, verbrauchen weniger Treibstoff, und der ist auch noch deutlich billiger – im Durchschnitt dieses Jahres lag er bei kaum mehr als einer Mark pro Liter. Gegenüber 1983 hat sich der Preis um etwa dreißig Pfennig verringert. Superbenzin dagegen blieb nominal fast gleich teuer: pro Liter rund 1,40 Mark.

Die sparsamen Dieselmotoren könnten bald noch höher in der Käufergunst stehen. Bundesumweltminister Klaus Töpfer peilt als neue Norm das Fünfliterauto an. Ein derart geringer Treibstoffverbrauch läßt sich nach dem heutigen Stand der Technik nur mit Dieselmotoren erzielen.

Argwohn hegten viele schon seit längerem; jetzt ist es bis auf die Stelle hinter dem Komma erforscht: Wenn es um das Thema Umweltschutz geht, produzieren die Fabrikanten hierzulande vor allem eins – heiße Luft. Das haben Unternehmensberater der Münchner Firma Dr. Wieselhuber & Partner herausgefunden. Ihre ungewohnt deutliche Erkenntnis: Bei der Industrie dominiert "blinder Öko-Aktionismus" und "strategische Selbsttäuschung".

Über 500 Unternehmen des produzierenden Gewerbes aus Deutschland und Österreich haben die Münchner befragt. Ihre Antworten setzten dem Mythos vom umweltbewußten, modernen Manager ein jähes Ende. Zwar fühlten sich fast alle Befragten durch Öko-Vorschriften behindert, und fast die Hälfte sieht sich durch ökologische Anspruchsgruppen "betroffen" oder "akut bedroht". Aber nur 1,5 Prozent der Unternehmen haben es verstanden, aus der Not eine Tugend zu machen, aus der Herausforderung des Umweltschutzes also Wettbewerbsvorteile zu schlagen. Fazit: Strategisch und rational agierenden Unternehmen bleibt viel Geld zu verdienen, denn, so Projektleiter Walter Stadelbauer: "Innerhalb der nächsten fünf Jahre wird der Umweltschutz in jedem Segment jeder Branche ein Unternehmen erfolgreich machen."

Wie das gehen könnte, hat beispielsweise die Firma Creaton, Berchtold & Ott aus Wertingen vorexerziert. Sie schaffte, was Branchensprecher stets als unmöglich abwiesen: Dachziegel ohne Schwermetalle herzustellen. Werbemotto: "Natürlich tonangebend."

Die Chemische Industrie hat, gemessen an der Beschäftigung, in Deutschland ihren Zenit überschritten. Diese Prognose wagte der neue Bayer -Chef Manfred Schneider. Mit seiner Einschätzung steht er nicht allein. Von Mitte 1992 bis Mitte 1993 werden allein in den alten Bundesländern von den 588 000 Arbeitsplätzen 20 000 verlorengehen, sagt Karl Molitor, Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie, voraus.