Bank und Börse

Geht es um die Geldanlage, sind die Deutschen völlig frei: Ob sie ihr Geld in deutschen Pfandbriefen, japanischen Optionsscheinen oder brasilianischen Aktien anlegen, bleibt ihnen überlassen. Devisenkontrollen gibt es keine, auch der Transfer größerer Bargeldmengen nach Luxemburg oder in die Schweiz ist legal – sofern das Vermögen und die Erträge beim deutschen Fiskus deklariert werden. Ihre Freiheit nützen die Bundesbürger weidlich aus: Angesichts der bevorstehenden Zinsabschlagsteuer fließen derzeit Milliardenbeträge in die europäischen "Steueroasen", und von deutschen Geldinstituten vermittelte Auslandsanlagen sind beliebter denn je zuvor. Investiert wird vornehmlich in Festgeldern am Euromarkt, aber auch Fremdwährungsanleihen genießen hohes Ansehen.

Banken und Sparkassen kann dies nur recht sein: Die Gebühren bei Auslandsengagements liegen oftmals bei einem Mehrfachen der Inlandssätze. Zusätzlich wird durch die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs einer Währung kräftig verdient. Böse Zungen behaupten, daß bei marktengen Fremdwährungspapieren im Eigenhandel der Banken – also dem direkten Geschäft mit dem Kunden – Kurse gemacht werden, die allein dem Institut einen sicheren Profit sichern. Und so liegen heute bei nahezu jeder Bank mehr oder minder lange Listen mit Fremdwährungstiteln aus.

Die gebotenen Konditionen können sich durchaus sehen lassen: Wegen des niedrigen Zinsniveaus in den Vereinigten Staaten bringen Dollar-Papiere derzeit zwar nur mäßige Renditen, jedoch sind mit australischen Titeln bis zu 9,5 Prozent zu erzielen. Weltbankanleihen in Finnmark bringen rund 14,4 Prozent. Und auch für Anleihen in spanischen Peseten – etwa von BMW – errechnen sich Renditen von 14 Prozent.

Verlockend sind solche Konditionen allemal, insbesondere wenn ein seriöser Schuldner wie etwa BMW, die Weltbank oder auch die Dresdner Bank für das aufgenommene Geld geradesteht. Übersehen wird dabei freilich oft das Währungsrisiko: Jede Geldanlage in fremder Valuta rechnet sich nur dann, wenn auch der Kurs der Währung gegenüber der Deutschen Mark stabil bleibt.

Gerade hier gab es jedoch bei vielen Anlegern unlängst lange Gesichter. So wurden Pfund-Anleihen noch vor wenigen Monaten von Bankberatern mit dem Argument verkauft, daß Kursrisiken angesichts der Mitgliedschaft im Europäischen Währungssystem (EWS) nahezu ausgeschlossen seien. Niemand sagte dem Anleger freilich, daß England jederzeit aus dem EWS ausscheren könne und für diesen Fall hohe Kursverluste drohten. Die Quittung bekamen die Anleger denn auch prompt nach der EWS-Krise im September: Nachdem der Pfundkurs jahrelang in der Bandbreite zwischen 2,70 und 3,00 Mark gependelt hatte, purzelte die Notierung innerhalb weniger Tage auf 2,40 Mark. Die Folge des Verfalls: Die Anleger konnten zwar einerseits mit einer Rendite von rund 10 Prozent auf Pfund-Basis rechnen, über die Währung haben sie in den vergangenen Wochen jedoch rund 14 Prozent eingebüßt. Hinzu kommt, daß die Zinsen der deutschen Einkommensteuer unterliegen, während die Kursverluste bei Papieren aus Privatvermögen vom Fiskus nicht beachtet werden.

Ähnliche Verluste mußten die Anleger auch bei nahezu allen anderen Weltwährungen hinnehmen. Besonders die von Banken und Sparkassen noch im ersten Halbjahr empfohlenen Papiere in spanischer Peseta oder italienischer Lira haben auf DM-Basis massiv verloren.