Einmal muß ja die Entscheidung fallen, wo wir die zwei kostbaren Wochen verleben wollen, auf die wir Monate hingearbeitet haben. Das Quartier im beliebten Clubhotel aus Prospekt F wird gebucht. Punktum. Die Kataloge können entsorgt werden. Zum Abschied ein letztes flüchtiges Blättern.

Stopp. Da kommt plötzlich doch noch einmal unser Hotel. Und jetzt in Katalog D. Mit fahrigen Fingern fahnden wir weiter alle Prospekte durch. Und siehe da – achtmal unsere Herberge und jedesmal aus einem neuen Blickwinkel. Schon optisch tut sich eine ungeahnte Vielfalt auf: hier ein tropischer Garten direkt am Meer; dort ein cool durchgestyltes Areal wie das Modell für einen Architekturwettbewerb; dann ein karger, kahler Komplex, einer Mietskaserne ähnlich. Kein Zweifel – die Namen sind identisch, immer unser Hotel.

Verwirrt vertiefen wir uns daraufhin ins Textstudium. Gewisse Kriterien sprechen auch hier dafür, daß es sich um ein und dieselbe Herberge handelt. Wir wollen ja nicht pingelig sein, sei’s drum, ob sie nun etwa zehn oder circa zwölf Kilometer, circa fünfzehn oder zwanzig Minuten von der Stadt entfernt liegt.

Neugierig geworden, verstärken wir die vergleichende Analyse. Hier erwartet uns internationales Flair, dort wird uns eine angenehme Atmosphäre in Aussicht gestellt. Wo werden wir nur hineingeraten? In luxuriös ausgestattete (A), geschmackvoll eingerichtete (B), in gemütlich moderne (D), in elegante (F) oder in ansprechend möblierte (H) Zimmer? Jedes Preislied klingt ein bißchen anders.

Die Sache mit dem Strand schließlich bringt uns vollends durcheinander. Was denn nun? Vor dem Hotel felsig, dann Sand- und Kiesstrand (B), Felssandstrand (E), kieselige Badebucht (F) oder Sand- und Badeplateau (G)?

Wochen später. Die Stunde der Wahrheit. Kataloge contra Wirklichkeit. Wer hat recht?

Wir haken ab: Radio und Telephon im Zimmer, TV auch, Minibar und (Mini-)Balkon, alles kataloggemäß, da waren sich die Prospektpoeten einig. Und daß wir den "Meerblick (seitlich)" nicht erhascht haben, sehen wir generös nach.