Die Europäische Weltraumagentur Esa folgt seit Monaten einem strengen Sparkurs und hat ihre Programme massiv zusammengestrichen. Dennoch sind manche ihrer Zukunftsprojekte immer noch nicht definitiv gesichert. So haben die europäischen Forschungsminister auf einer Konferenz im spanischen Granada beschlossen, die umstrittene europäische Raumfähre Hermes vorerst nicht zu bauen. Bis 1995 soll die Esa prüfen, ob und wie sich das Projekt dennoch realisieren läßt – gegebenenfalls auch in Zusammenarbeit mit den Russen.

Aber selbst wenn diese Prüfung positiv ausfallen sollte, so stellt sich bereits heute die Frage, ob die Europäer 1995 bereit sein werden, die enormen Kosten für Hermes zu tragen. Die letzte Kostenschätzung betrug immerhin zwölf bis fünfzehn Milliarden Mark. Schon in Granada bezweifelte Bundesforschungsminister Heinz Riesenhuber die Annahme von Esa-Generaldirektor Jean-Marie Luton, die dreizehn Mitgliedstaaten wären dazu bereit, von 1996 an ihre jährlichen Beitragszahlungen um fünf Prozent aufzustocken. Derzeit geht der Trend eher in die umgekehrte Richtung. Die Deutschen reduzierten jetzt erneut ihren Esa-Beitrag, allerdings nur geringfügig um 30 Millionen auf 1,2 Milliarden Mark.

Da auch das frei fliegende europäische Raumlabor MTFF dem Rotstift zum Opfer gefallen ist, bleibt den Planern als einziger Lichtblick der Esa-Beitrag zur internationalen Raumstation Freedom: ein mit wissenschaftlichen Versuchsanordnungen bestücktes, tonnenförmiges Labor namens Columbus, das in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts fest an die Raumstation angedockt werden soll (siehe Zeichnung). Deutschland hat bei dem fünf Milliarden Mark teuren Columbus-Projekt den industriellen Hauptauftrag, es ist mit 38 Prozent daran beteiligt.

Nur gegen den erheblichen Widerstand Frankreichs, das sein Prestigevorhaben Hermes blockiert sah, gelang es in Granada, Columbus über die Runden zu retten. Allerdings fehlten Esa-Chef Luton nach Abschluß der Konferenz noch einige Prozent zu dessen Finanzierung. Deshalb versprach er, die Gesamtkosten des Columbus-Programms um fünf Prozent zu senken. Dann fehlten bis zur vollen Deckung nur noch drei Prozent der Kosten, und diesen Rest wollte er nachträglich bei einigen Mitgliedstaaten lockermachen.

Doch dem Columbus Programm stehen noch weitere Hürden bevor. So muß sich zeigen, ob die neue US-Regierung unter Bill Clinton überhaupt gewillt ist, die dreißig Milliarden Dollar verschlingende Raumstation Freedom in der bisher vorgesehenen Form zu bauen. Es wäre nicht das erste Mal, daß die Amerikaner ihre Freedom-Pläne massiv ändern. Die Europäer, die lediglich ein Achtel zur gesamten Station beitragen, müssen dann nolens volens folgen.

Ferner hat die Nasa außerordentlich hohe Nutzungs- und Betriebskosten für die internationale Raumstation errechnet: Sie sollen jährlich knapp 4,5 Milliarden Mark betragen. Europa hätte von dieser Summe, entsprechend seinem Anteil, 568 Millionen Mark zu berappen.