Südwest 3, Montag, 30. November, 21.15 Uhr: "Tödliche Geschäfte", Spielfilm von Michael Hammon

Seit 1985 bereits gibt es die kleine Reihe des Südwestfunks "Debüt im Dritten", die sechs jungen Regisseuren pro Jahr die Chance bietet, ihren ersten Spielfilm zu realisieren. In diesem Jahr wurde einem der Regisseure des Debüt-Jahrgangs sogar noch ein weiteres Mal unter die Arme gegriffen.

Die Wahl für dieses "Zweit-Debüt" fiel auf den jungen Deutsch-Südafrikaner Michael Hammon, der sich mit seinem Schwarzweißfilm "Tödliche Geschäfte" mitten hineinbegibt in das Aufbegehren einer lange unterdrückten Volksgruppe. Drehort: Soweto in Johannesburg. Für Hammon ist das Thema Südafrika, das wir nach der allmählichen Abschaffung der Apartheid-Gesetze und angesichts der neuen Brände in Osteuropa aus unseren Köpfen verbannt haben, immer noch akut: "Es handelt sich um eine Abschaffung auf dem Papier, die sich wahrscheinlich nur sehr langsam im konkreten Leben der Bevölkerung auswirken wird. Die Apartheid-Gesetze haben ein ganzes Volk brutalisiert..."

Um dies zu zeigen, wählt Hammon (meist) die Perspektive des schwarzen jungen Arbeiters B.T. Schon in der Eingangssequenz schauen wir mit seinen Augen: In der Arbeitshalle einer Eisengießerei werden zwei Arbeiter aus nichtigem Grund gefeuert, für die B.T. Partei ergreift und einen wilden Streik anzettelt. Als die junge Anwaltsgehilfin Aisina grazil die Halle betritt, um ihm zu Hilfe zu kommen, ist sein Herz sogleich entflammt. Er versucht ihr mit einem großartigen Auto, das ihm natürlich gar nicht gehört, zu imponieren. Das Auto, dieses ewige Statussymbol, wird ihm schließlich zum Verhängnis. Der Streik und seine Versuche, Aisina zu gefallen, treiben ihn in die Arme einer Gang von Autodieben.

Hammon gelingt es, die Nuancen der verschiedenen sozialen Schichten innerhalb des Slums zu erspüren und in Film umzusetzen. Zugleich behält er die Hauptfiguren im Auge, zeichnet in psychologischer Feinarbeit Einzelcharaktere, die er in ihrer Freude, ihrer Melancholie und ihrer Wut sehr lebendig schildert. Der politische Zusammenhang bleibt immer anwesend, Hammon hält ihn über die Tonspur präsent: Aus Radios und Lautsprechern dröhnen permanent die Wahlparolen eines Kommunalpolitikers.

Die Stimme des Politikers gehört einem gewissen Shabantu. Er redet von Gerechtigkeit und Fortschritt, in Wahrheit aber ist er der größte Gangster im Township: Seine Bande hat das Monopol für den Autoklau und läßt die Kleinen gar nicht erst zum Zuge kommen. Auch B.T. gerät in seine Netze; aus dem harmlosen Gauner wird ein gehetzter Mensch ...

Michael Hammon, das zeigt dieses Opus Nummer zwei, ist ein engagierter Filmemacher, der die Mittel des Mediums so einsetzt, daß ein Erzählrhythmus entsteht, der mit dem temperamentvollen, hektischen Leben am Kap übereinstimmt. Seinen Film, für den er den Adolf-Grimme-Preis erhielt, widmet er den Menschen von Soweto. Die letzte Filmszene zeigt – schön in ihrer Tristesse – eine Panorama-Aufnahme des Slums: Im Halbdämmer lasten riesige, tiefhängende Wolkenberge über der Straße, gespenstische Bäume überschatten die kargen Hütten. Kein Hoffnungszeichen. Hammon ist Realist. Anne Frederiksen