Von George Hermann Hodos

In Portland, im Staate Oregon, überfielen im November 1988 drei Skinheads den Äthiopier Mulageta Seraw. Er wurde mit stahlkappenbewehrten Schnürstiefeln und Baseballschlägern zu Tode getreten und gedroschen. Die Skinheads wurden verhaftet, sie bekannten sich schuldig und wurden zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Dann folgte ein zweiter Prozeß, diesmal gegen Tom Metzger. Er hatte zwar zur Zeit des Mordes im entfernten kalifornischen Städtchen Fallbrook geschlafen, doch es gab keinen Zweifel daran, daß er der Anstifter zum Lynchmord gewesen war. Eine Gruppe von Bürgerrechtlern wies nach, daß Metzgers Organisation White Aryan Resistance, so benannt vielleicht wegen der provokanten Abkürzung war, ihre Propagandisten nach Portland entsandt hatte, um dort Skinheads zu Gewalttaten gegen Schwarze und Juden, zum "Krieg gegen Rassenmischer, Rassenverräter und Rassenabschaum", aufzuhetzen.

Metzger und seine War wurden im Oktober 1990 zur Zahlung von 10,5 Millionen Dollar an die Familie des Ermordeten verurteilt. Die wichtigste kalifornische Filiale des Rechtsextremismus war danach zahlungsunfähig. Die Bürgerrechtler hofften, sie sei auf lange Zeit unschädlich geworden. Das war eine Täuschung, denn schon bald danach wurde Metzger wieder verhaftet und im Januar dieses Jahres wegen Aufhetzung zu rassistischen Gewaltakten in einer von ihm mitorganisierten Ku-Klux-Klan-Demonstration verurteilt.

Die Laufbahn Metzgers illustriert vorzüglich die ineinander verschlungenen Wege des amerikanischen Rechtsextremismus. Der heute 56jährige Fernsehtechniker mit eigener Werkstatt im Städtchen Fallbrook bei San Diego begann als Kandidat der Demokraten in Kommunalwahlen Anfang der sechziger Jahre; später wurde er Mitglied der Birch Society, einer Organisation vornehmer Damen und Herren am paranoiden Rand der noch stubenreinen Rechten, die hinter allem und jedem eine kommunistische Verschwörung wittern. Die Passivität der Bircher stieß ihn bald ab: "Sie wollen, daß wir Bücher lesen, und meinen, wenn wir nur genügend Bücher an den Kopf des Feindes schmeißen, wird der sich geschlagen geben." Er schloß sich dem Ku-Klux Klan an, aber erkannte: "Man kann mit brennenden Kreuzen auf Kuhweiden keine Änderung erzwingen" und wechselte zur pseudoreligiösen Christian Identity über. Von dort war es nur ein Sprung zu den Neonazis, schließlich zur eigenen War-Organisation.

Die alten Verbindungen brach er nicht ab, sondern pflegte sie und wurde so zur bedeutendsten Figur der Rechtsextremen im Westen Amerikas, ihr Lehrmeister und Sprachrohr. Hetzblätter, lokale Kabelstationen und Telephondienste verkünden seine Botschaft von der Unterdrückung der Weißen durch die minderwertigen Nichtarier in den Vereinigten Staaten, die er konsequent die "Verjudeten Staaten" nennt.

Metzger ist kein Opportunist, wenn er von einer Haßgruppe zur anderen wechselt. Die inneren Grenzen der Rechtsradikalen sind porös; die Gruppen spalten sich oder werden von der Polizei zerschlagen, doch formieren sich rasch unter einem anderen Namen wieder; Mitglieder einer Gruppe gehören oft einer zweiten Gruppe an. Ob sie sich Arier, Nazis, Christen, Suprematisten, Überlebensgruppen, Skinheads oder Klan nennen, gemeinsam ist ihnen der Haß gegen Schwarze, Juden, Homosexuelle, Fremde.