Sie alle lesen die gleichen Bücher, Klassiker wie Henry Fords "Der internationale Jude" oder neuere Literatur wie "Sind tatsächlich sechs Millionen gestorben?", demzufolge Juden in den Vernichtungslagern nicht vergast, nur desinfiziert wurden, aus Sorge um ihre Gesundheit.

Die Bibel aller ist der 1978 erschienene Roman von William Pierce, "The Turner Diaries", ein Thriller über eine Gruppe von Neonazis. Die finanzieren ihre Revolution durch Bankraub, sprengen das FBI-Hauptquartier in Washington in die Luft, ermorden Juden, Schwarze und Latinos und vernichten Israel mit der Atombombe.

"1. August 1993", fängt ein Kapitel des Tagebuches an. "Heute war der Tag des Strickes, ein gräßlicher, blutiger, doch unvermeidbarer Tag. Zum ersten Mal in der Woche ist in ganz Südkalifornien die Nacht ruhig und friedlich, doch sie ist zugleich mit stummem Greuel gefüllt, überall hängen eklige Gestalten von Laternenpfählen, Leitungsmasten und Bäumen. ... Ich sah Tausende von erhängten Frauenleichen, jede hatte die Tafel ‚Ich entehrte meine Rasse‘ um den Hals, es waren weiße Frauen, die mit Negern, Juden oder anderen nicht-weißen Männern verheiratet waren oder mit ihnen gelebt hatten."

Das Ineinandergreifen der Rechtsextremen läßt sich auch am Posse Comitatus zeigen, dem Landsturm, dessen Name aus dem mittelalterlichen englischen Recht übernommen wurde. Der Landsturm kämpft gegen die Einkommenssteuer, dieses "Zehntel des Satans", gegen Juden, Kommunisten, Katholiken und Schwarze, gegen das "im Dienste der Roten und der minderwertigen Rassen" stehende Finanz-, Justiz- und Regierungssystem. Der Posse behauptet, zwei Millionen Mitglieder zu haben, doch die Zahl zweitausend ist weit realistischer. Seine Stützpunkte im Agrargürtel Amerikas gleichen bewaffneten Lagern, in denen scharf geschossen wird.

"Die Endschlacht muß bald kommen", verkündete James Wickstrom, "nationaler Leiter des Gegenaufstands", seine blaue Baskenmütze ziert ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen. "Wir verwandeln die politische Bewegung in einen heiligen Krieg, der neue Kreuzzug mit Jesus Christus als Oberbefehlshaber wird unsere weiße, angelsächsische Nation von den Kommunisten, dem farbigen Gesindel, den Verrätern in der Zentralregierung befreien und die Juden aus dem Land verjagen."

In der letzten Zeit ist Posse Comitatus von den Behörden in die Defensive gedrängt worden. Die Wendung kam im Februar 1983 mit dem Fall Gordon Kahl. Die Polizei suchte Kahl, der aus ideologischen Gründen seine Steuern nicht bezahlte. Sie stöberte im entlegenen Medina in Norddakota sein Versteck auf – Kahl eröffnete das Feuer, drei Polizisten wurden getötet, drei weitere schwer verletzt. In der darauffolgenden Schießerei flog das wie ein Bunker befestigte Haus in die Luft, das mit Munition, Dynamit und Bomben vollgestopft war. Die verkohlte Leiche Kahls konnte erst Wochen später identifiziert werden.

Das Bild einer Schar von Steuerverweigerern verschwimmt im bunten Kaleidoskop der Rechtsextremen. Posse-Gründer Mike Beach gehörte den "Silberhemden" an, einer amerikanischen Nazi-Organisation der dreißiger Jahre. Viele Posse-Anhänger sind zugleich Mitglieder des Ku-Klux-Klan, der verschiedenen Neonazigruppen oder der in entlegenen Gegenden sich für das Endgericht rüstenden paramilitärischen "Überlebensbewegungen". Gordon Kahl wird als Märtyrer in jährlichen Gedenkfeiern in Hayden Lake im Staate Idaho geehrt, wo sich das Hauptquartier der Aryan Nations befindet.